DIE WARNUNG 111
des Vortrages, Eure Aussprache und unbeholfenen Bewegungentun Eurer Beliebtheit großen Eintrag, namentlich da diese EureZuhörer tagtäglich den Vergleich mit der auserlesenen Bered-samkeit Vater Marians anstellen können." „Es ist wahr", sollSavonarola hierauf geantwortet haben. „Ihr müßt aber wissen,daß Marians Redegewandtheit, Anmut und Wortgeklingel nichtsausrichten und ihre Beliebtheit einbüßen werden, während derEinfalt unserer Predigtart Erhöhung und Auszeichnung be-schieden ist." Am Feste Christi Himmelfahrt 1491 hielt Marianeine Predigt über den Text: „Nicht euch ist es gegeben, Zeitenund Fristen zu kennen 23 ", ließ sich aber von seiner Leidenschaftin einer Weise hinreißen, daß er sogar seine eigenen bisherigenBewunderer, unter ihnen Pico, der der Predigt anwohnte, abstieß.Am folgenden Sonntage nahm Savonarola über denselben Vor-spruch das Wort und beschämte seinen Gegner besonders durchden Hinweis auf die heuchlerischen Freundschaftsbeteuerungen,die dieser ihm noch vor wenigen Tagen gemacht habe 2 *. Mariansuchte sich nun zwar mit Hieronymus äußerlich zu versöhnen 25 .Aber die Wunde, die ihm seine Niederlage 26 geschlagen hatte, saßallzu tief, um je zu vernarben. Fortan blieb er einer der heftigstenFeinde des Ferraresen, zu dessen Untergang er wesentlich beitrug.So wenig wie mit der Predigt Marians richtete Lorenzo mit derAbordnung vornehmer Bürger aus, die er an den Prior sandte. |„Zur Zeit Lorenzos de' Medici", so erzählte Savonarola selbst 27 ,„kamen eure fünf vornehmsten Bürger, die damals in der Stadtregierten und von denen noch vier am Leben sind 28 , um mich wievon sich aus zu warnen, jene (prophetischen) Dinge noch ferner-hin vorzubringen. Ich gab ihnen unter anderem zur Antwort:,Ihr versichert, nicht geschickt zu sein, ich aber sage euch, ihrseid es doch. Gehet hin und meldet dem Lorenzo de' Medici, ermöge Buße tun für seine Sünden, denn Gott wolle ihn strafen,ihn und die Seinigen.' Ich weiß nun allerdings nicht, ob sie ihmdiese meine Botschaft ausgerichtet haben; jedenfalls erteilte ichihnen diesen Bescheid, wie sie selbst bezeugen werden, wenn sieder Wahrheit die Ehre geben wollen. Als ich nun gleichwohl inmeiner bisherigen Art zu predigen fortfuhr, rieten mir viele hier-von ab, widrigenfalls ich mich auf die Verbannung gefaßt machenmüßte. Auf derartige Vorstellungen erwiderte ich ihnen: ,Ihrmöget euch ja wohl vor der Verbannung fürchten, die ihr Weib