ho DER PRIOR VON S. MARCO
sofort, daß hier mit plumpem Zuschlagen mehr zu verderben alszu gewinnen war; und so ging er mit äußerster Vorsicht und Um-sicht zu Werke 19 . Er suchte den strengen Prior durch seinen reli-giösen Eifer für sich einzunehmen. Er hörte zuweilen in S. Marcodie Messe und lustwandelte hernach im Klostergarten. Danneilten die Brüder zu ihrem Prior und teilten ihm mit: „P. Prior,Lorenzo ist im Garten." Worauf der Obere trocken entgegnete:Z. „Fragt er nach mir?" Und wenn sie dann entgegneten: „Nein",so sprach er: „So laßt ihn denn nach Belieben Spazierengehen",/„j^Ji-? und blieb ruhig in seiner Zelle. Es war aber in den Klöstern üblich,daß die Oberen, wenn Lorenzo ihr Kloster mit einem Besuche be-•*y»v*«A- ehrte, ihn begrüßten und durch die Kirche und das Kloster ge-
leiteten, indem sie sich mit ihm über dies und jenes, was er gern
*ih fV J* hörte, unterhielten. Über diesen Brauch setzte sich Savonarola
hinweg, wie er denn überhaupt die Freundschaft und den Verkehr
f$*-*t<>vr> oc &'~- m it großen Herren mied gleich pestbringendem Gifte 20 .*'Lorenzoversuchte es auch mit Almosen. Er gab seinem Kanzler Peter vonBibiena den Auftrag, eine ansehnliche Summe Goldgulden in denOpferstock von S. Marco zu legen 21 . Doch mußte er sich selbstüberzeugen, daß der Prior nur das Kleingeld zu sich nahm, dieGoldstücke aber den guten Männern vom heiligen Martin zurUnterstützung der Armen überwies. Darüber wunderten sich so-gar die Brüder nicht wenig, zumal da sie das Geld bereits fürKlosterzwecke bestimmt hatten; aus Scheu vor ihrem Prior wagtensie jedoch keine Einsprache zu erheben.
Schlugen nun auch Lorenzos Bemühungen fehl, den Kloster-oberen durch Güte auf seine Seite zu ziehen, so schien es um soleichter zu sein, den Prediger lahm zu legen. Lorenzo war einviel zu geriebener Staatsmann, um nicht zu wissen, daß es keinbesseres Mittel gebe, einen Mönch zu bekämpfen, als einen Mönch,und keine schneidigere Waffe, einen Prediger unschädlich zumachen, als ihn durch einen anderen Prediger ausstechen zulassen. In dem Augustiner Marian della Barba von Gennazanobesaß er einen geistlichen Freund, der dem Dominikaner an klas-sischer Bildung und feingeschliffener Redekunst weit überlegenwar und wie geschaffen schien, den widerhaarigen Ferraresen ausdem Felde zu schlagen. Mußte sich dieser ja doch von einemseiner ergebensten Verehrer 22 vorhalten lassen: „Vater, Eure Pre-digt ist gewiß wahr, zuträglich und unentbehrlich. Aber Eure Art