DER PRIOR UND LORENZO 109
größere Wucht lieh, das war der Umstand, daß Savonarola imJuli 1491, kaum ein Jahr nach seiner Rückkehr, einstimmig vonseinen Mitbrüdern zum Prior von S. Marco erkoren worden war 18 ./^^ 7Die Wahl war ein glänzender Beweis des allgemeinen Vertrauens, X^*fr^-J^^.das ihm, der in der Dantestadt Fremdling war, von Mönchen be-zeigt wurde, die meist einheimischen Familien, zum Teile den ; 'ersten Geschlechtern, entstammten. Sie war erfolgt, obschon, viel-leicht sogar, weil man wußte, daß er Lorenzos grundsätzlicher /<tt ^ r _ 7Gegner/war, und bedeutete eine unverkennbare Abkehr von derHaltung Antonins und der Väter, die einst das Kloster aus derHand Cosimos entgegengenommen und hierdurch, freilich ohnesich dessen klar bewußt zu sein, auf ihre Reformideale von vorn-herein schon verzichtet hatten; denn ein mediceisches Hofklosterkonnte unmöglich ein wahres Reformkloster sein. Savonaroladurchschaute dies scharfen Blickes, mit dem unbeugsamen Ent- <~Schlüsse, das Joch der Abhängigkeit, das Antonin einst auf sich , A***geladen, zu zerbrechen. Der Umschwung der Dinge offenbartesich schon gleich in dem Benehmen, das der neue Prior Lorenzogegenüber an den Tag legte. Es war üblich, daß die Klosteroberenbei Antritt ihres Amtes dem Medici, als dem tatsächlichen Staats-oberhaupte, ihre Aufwartung machten und sich und ihre Ge-meinde seinem Wohlwollen empfahlen. Savonarola wollte davon, ? -£>.wie^wejngsJtensierz^hU^whdj nichts wissen und verstand sich zudem herkömmlichen Antrittsbesuche selbst dann nicht, als er von <*p vden älteren Vätern des Klosters auf die bestehende Sitte aufmerk-sam gemacht und gebeten wurde, ihr zu entsprechen, da es sonsteinen großen Verdruß gäbe. „Wer hat mich", soll er erwiderthaben, „zum Prior erwählt, Gott oder Lorenzo?" Und als sie zurAntwort gaben: „Gott", habe er beigefügt: „So will ich denn auchnur Gott, meinem Herrn, und nicht sterblichen Menschen Danksagen 17 ."
Lorenzo mußte sich durch Savonarolas Gegnerschaft tief ver-letzt und beunruhigt fühlen. Über persönliche Kränkungen hätteer sich hinwegsetzen können. Aber dieses Verhalten bedeutete, wieer, der gewiegte, alle Verhältnisse in ihrer Tragweite sicher ab-schätzende Politiker, sehr wohl begriff, viel mehr. Es war dasAnzeichen einer G egenström ung gegen die Vormacht seines /•/«— /^Hauses 18 , die um so gefährlicher schien, je schwerer sie zu fassenund zu bekämpfen war. Mit der ihm eigenen Klugheit sah er