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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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r VI. Kapitel.

DER PRIOR. VON S.MARCOUND LORENZO DE' MEDICI.

Wenn Savonarola in seiner Predigt die Gewalthaber nichtschonte und selbst vor dem Manne nicht haltmachte, der über dieGeschicke der Stadt und aller ihrer Bewohner gebot, so ließ ersich hierbei nicht etwa von persönlicher Abneigung oder Gehäs-sigkeit leiten 1 . Er war vielmehr vollkommen davon überzeugt, imunerbittlichen Kampfe wider den Medici eine der heiligsten Pflich-ten seines seelsorgerlichen Amtes zu erfüllen, da er in Lorenzo dievollendete Verkörperung jener in seinen Augen von Grund ausverderblichen Regierungsform erblickte, die er für das größte,wenn nicht einzige Hindernis der Durchführung seiner religiös-sittlichen Reformpläne hielt. Wie Franz Guicciardini 2 , wie Ala-manno Rinuccini 3 , wie Peter Parenti 4 , wie Johann Cambi 5 , wiealle, die nicht schon von Haus aus durch dick und dünn mit denMedici und dem Troß ihrer Anbeter trotteten, sah der Ferraresein der Herrschaft der MediciTyrannenherrschaft". Tyrannischaber nannte er nach dem Vorgange des heiligen Thomas 6 jene Re-gierung, die nicht dem allgemeinen Wohle des ganzen Volkes, son-dern dem besonderen Vorteile einer einzelnen Person oder Sippediente 7 . Um der unheil*ollen Wirkungen willen, die es auf das bür-gerliche und erst recht auf das davon völlig unzertrennliche kirch-lich-religiöse Leben nach sich zog, betrachtete er das Tyrannen-joch als das schwerste Unglück, das einem Staatswesen im allge-meinen und dem florentinischen im besonderen widerfahrenkönne, und zwar als ein desto gefährlicheres, je harmloser es aus-sah und je behutsamer und gewandter es von dem Manne gehand-habt wurde, dessen reiche Geistesgaben er durchaus nicht ver-kannte 5 . Wollte und konnte nun aber Lorenzo auf seine Herrschaftso wenig wie der Prediger auf seine Grundsätze verzichten, so warder Kampf unvermeidlich 9 . Savonarola gab sich darüber keinerleiTäuschung hin. Es focht ihn nicht an, daß man ihn ernstlich