Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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g2 RÜCKKEHR NACH FLORENZ

chem Andränge begann 33 , daß die Brüder zur Not noch Platz imChore fanden, froh, wenn sie nicht durch unaufschiebbare Kloster-geschäfte in Anspruch genommen waren, während die Laien dieKirche bis ins letzte Winkelchen füllten und zum Teil sogar anden eisernen Gittern klebten 31 . Der Gegenstand, den er in seinenVorträgen behandelte, ergriff alle aufs tiefste. Jedermann ahnte,daß man an der Wende der Zeiten stehe, am Vorabende großerEreignisse lebe. Einfältige raunten sich alte Weissagungen zu, dieProphetien eines Joachim von Fiore und eines Vinzenz Ferrergingen von Mund zu Mund, während die Klugen nichts hiervonwissen wollten. In diesem Streite der Meinungen erklärte Hierony-mus, auch ihm seien die Zeiten verdächtig, nicht jedoch um jenerWeissagungen willen, da geschrieben stehe:Wer zu rasch glaubt,ist leichtsinnig" 35 , sondern im Hinblicke auf den Mangel an gutenObrigkeiten, auf die Menge der Sünden, auf die Zunahme des Un-glaubens, auf die Entweihung der Sakramente und auf die allge-meine Überzeugung der Christenheit.Und deshalb", bemerkte er,lese ich die Apokalypse" 36 . Ein ganzes Jahr brachte er mit der Aus-legung dieses Buches zu, indem er wie schon in S. Gemignano seinebekannten drei Hauptsätze entwickelte, daß sich die Kirche nun-mehr erneuern müsse, daß dem eine schwere Züchtigung Italiensvorausgehe, und daß beides bald geschehen werde 37 . Hierbei be-schränkte er sich auf die Anführungen von Wahrscheinlichkeits-gründen und biblischen, auf das kirchliche Verderben bezogenenBildern und Gleichnissen, ohne davon etwas verlauten zu lassen,! daß er von der Gewißheit jener drei Sätze auch schon auf höhere,übernatürliche Weise unterrichtet sei, da ihm die Gemüter für dieMitteilung eines solchen Geheimnisses noch nicht reif genug schie-nen 38 . Zu einer Zeit, da alles in tiefster Buhe lag und der Friededes augusteischen Zeilalters über die üppigen, in Beichtum undWohlleben schwelgenden italienischen Gefilde ausgebreitet lag 39 ,schreckte er die sorglosen Gemüter mit schrillem Weherufe ausihrer dumpfen Gleichgültigkeit auf und kündigte den geistlichenund weltlichen Herrschern furchtbare Heimsuchungen an. Werihn noch vor wenigen Jahren auf der Kanzel gesehen hatte, wieschüchtern und unbeholfen er damals auftrat, und nun den uner-schrockenen Prediger hörte, der unbekümmert um Lob oderTadel an den empfindlichsten Wunden der Gesellschaft rührte,der kannte ihn kaum mehr und fand ihn wie umgewandelt. Sein