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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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DIE ZURÜCKBERUFUNG 91^

sich weiteren Belästigungen zu entziehen vermocht 29 . Lebhafterdenn je empfand er das Bedürfnis nach religiösem Trost im per-sönlichen Umgange mit einem würdigen Geistesmanne, aufsschmerzlichste vermißte er bei seiner Rückkehr nach Florenz denMann, von dem er sich in seiner Bedrängnis Hilfe und Stärkungversprach, seinen Freund Hieronymus, und so drang er in denMedici, ihn nach S. Marco zurückzurufen. Dieser, der ihm nichtsabzuschlagen vermochte, willfuhr ihm auch jetzt und schrieb am29. April 1489 an den Dominikanergeneral, er möge den BruderHieronymus von Ferrara nach Florenz senden; und um dem Gra-fen einen Beweis seiner besonderen Zuneigung zu geben, forderteer ihn sogar auf, das. Gesuch selbst aufzusetzen, das dann seinKanzler Peter Bibiena abschreiben und siegeln werde 30 .

So war es gekommen, daß Savonarola von seinen Oberen denAuftrag erhielt, das von ihm schon früher bekleidete Amt einesLesemeisters in S. Marco wieder aufzunehmen. Es war mitten imHochsommer 1490, als er nach Florenz wanderte. Die sengendeHitze setzte ihm in einer Weise zu, daß er zu Pianoro, einem achtMeilen von Bologna entfernten Flecken, erschöpft zusammen-brach. Ein unbekannter Weggenosse brachte ihn als barmherzigerSamaritan in eine Schenke, erquickte ihn mit Speise und Trankund blieb den Rest des Weges an seiner Seite, um sich erst amTore S. Gallo von seinem Schützlinge zu verabschieden 31 . Von sei-nen ehemaligen Schülern und Freunden mit Jubel begrüßt, begannHieronymus unverweilt mit den biblischen Vorlesungen, nachwelchen sie alle von früher her so heißes Verlangen trugen. Erlehrte in einem prächtigen Hörsaale, im Garten von S. Marco, imSchatten eines Strauches duftender Damaszenerrosen 32 . Die Erin-nerung an diese seligen Stunden prägte sich dem Gedächtnisse derTeilnehmer so unauslöschlich ein, daß sie sich nach Jahren nochder Stelle erinnerten, wo sie damals an seinem Munde gehangenhatten. Mit den Brüdern fanden sich wie ehedem Laien ein, derenZahl sich von Tag zu Tag mehrte, als bekannt wurde, daß er dasBuch auslege, dessen geheimnisvoller Inhalt die Christenheit allerJahrhunderte so mächtig anzog, die johanneische Offen-barung. Auf inständige Bitten der Brüder wie Laien siedelte erjedoch schon bald in die Klosterkirche über, wo er mit seinen Vor-trägen, die ganz im Sinne der Ordenssatzungen Vorlesungen undPredigten zugleich waren, am Sonntage 1. August 1490 unter sol-