Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

JOHANN PICO VON MIRANDOLA Qg

des Herzogs Herkules von Ferrara und pflegte, wie wir uns erin-nern, von dem greisen Michael Savonarola, dem trefflichen, men-schenfreundlichen Arzte, zu erzählen. Ein frühreifes Genie, aus-gestattet mit den glänzendsten Gaben des Körpers und Geistes,kam Pico, von seiner Mutter Julia Bojardo 10 für die kirchlicheLaufbahn bestimmt, 1477 nach Bologna, um an der Universitätkanonisches Recht zu studieren, zur selben Zeit, als Hieronymusebenda der Theologie oblag. Da er sich mit dem Kirchenrechtenicht zu befreunden vermochte, so siedelte Pico 1479 nach Fer-rara über, wo er Philosophie hörte und sich zu einem gewandtenDisputator ausbildete. Wieder gehörte Hieronymus zur gleichenZeit der gleichen Hochschule an und hatte Gelegenheit, dem Rede-gefechte anzuwohnen, das Pico im Gewände eines apostolischenProtonotars mit Leonhard Nogarola unter allgemeinem Beifall be-stand 20 . Es währte nicht lange, so hatte umgekehrt Pico Gelegen-heit, seinen Landsmann in ähnlicher Lage zu bewundern. Bei denKapiteln, welche die Orden zur Beratung ihrer Angelegenheitenvon Zeit zu Zeit abhielten, fanden sich, da die Teilnehmer größtenTeils Meister der Theologie waren, die hervorragendsten Gelehr-ten ein, und da gab es sich von selbst, daß sich Redeturniere überphilosophisch-theologische Streitfragen entwickelten, die auchLaien anlockten. So war es nichts Ungewöhnliches, wenn Picozum Kapitel der lombardischen Kongregation kam, das 1482 zuReggio bei Modena stattfand und einen so berühmten Theologenin seiner Mitte zählte, wie es Peter von Bergamo war, der Ver-fasser eines Inhaltsverzeichnisses, der Tabula aurea, zu den Wer-ken des heiligen Thomas 21 . Bei der Disputation, die sich hier ent-spann, zeichnete sich Hieronymus in einer Weise durch seine Ge-lehrsamkeit aus, daß Pico seine helle Freude an ihm hatte 22 / Inden nächsten Jahren setzte Pico seine Studien zu Pavia und Paduafort, um Ende 1483 oder Anfangs 1484 in Florenz einzutreffen,^- - ««><«*der hohen Schule aller Wissenschaften und Künste, wo sich der//^<*M ( n ^ lJudaismus, die Kabbala, der Neuplatonismus, der Skeptizismus, derpolytheistische Humanismus, der Epikureismus, kurz alle mög-lichen Geistesrichtungen zu entfalten vermochten 23 . Von einer sounvergleichlichen Bildungsgelegenheit aufs stärkste angezogen,mit der Freundschaft der führenden Männer, Lorenzos de' Medici,Marsilio Ficinos, Angelo Politians, Christoph Landinos, RobertSalviatis u. a. beehrt, fühlte sich Pico in der Arnostadt wie zu