88 RÜCKKEHR NACH FLORENZ
arbeit und seiner Erfolge. Um so unangenehmer müßte man sichvon der anmaßenden Sicherheit berührt fühlen, mit welcher dieüble" Lage der Mutter als Strafe ihrer Sünden hingestellt und eineKenntnis davon beansprucht wird, daß die Schwestern im Falleihrer Verheiratung in schwere Sünden gefallen wären, wüßte mannicht, daß es die priesterlich-mönchische Denk- und Sprechweisealler Zeiten kennzeichnet, die Sünden der gebrechlichen Welt füralle möglichen und unmöglichen Dinge verantwortlich zu machen.Inwieweit der Wunsch des Predigers, sein Wirken in Genua mögevom göttlichen Segen gekrönt sein, in Erfüllung ging, ist uns nichtbekannt. Wir wissen nur, daß er Genua stets in freundlicher Erin-nerung behielt, und dürfen daraus schließen, daß er mit seinemErfolge zufrieden war. Er stellte später den florentinischen Frauendie genuesische Tracht, die keine körperlichen Blößen dulde, alsnachahmungswürdiges Muster hin 14 . Wenn er von der Beharrlich-keit in Erfüllung der Berufspflichten handelte, so verwies er aufdie genuesischen Matrosen, die, wie er selbst gesehen, hoch undteuer verschwuren, nie mehr ein Schiff zu besteigen, sich dannaber doch wieder aufs Meer hinauswagten, weil ihnen dies ebenzur zweiten Natur geworden war 15 . Dann wieder erzählte er voneinem reichen genuesischen Kaufmann, der sich, nachdem erdurch einen Schiffbruch große Verluste erlitten hatte, bekehrteund all seinen Reichtum verachtete 16 .
Mit dem Osterfeste, 11. April 1490, hatte Hieronymus seine ge-nuesische Sendung erfüllt und den Heimweg in sein Kloster nachBrescia angetreten. Bald mußte er aufs neue zum Wanderstabegreifen. Die Würfel über sein Lebensgeschick waren gefallen:seine Oberen riefen ihn n ach Florenz zur ück. Die Brüder vonS. Marco hatten ihn nicht vergessen, sondern das inständige Ge-such um seine Zurückversetzung nach Bologna gerichtet, und esauch durchgesetzt, daß er ihnen vom Kongregationskapitel alsLesemeister zugewiesen wurde 17 . Und sie hatten einen ebenso un-verhofften wie mächtigen Fürsprecher auf ihrer Seite — Lorenzode' Medici, der hierzu durch das Drängen seines hochgeschätztenFreundes, des Grafen Johann_JPico von Mirandola 18 , bewogenwurde. Auf dem Schlosse seiner vornehmen und reichen Eltern1463 geboren, war Pico, da Mirandola in der Nähe Ferraras lag,ein Landsmann Savonarolas. Seine Schwägerin Bianca Maria vonEste, die Gattin seines ältesten Bruders Galeotto, war die Schwester