Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
87
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CHRISTLICHER TROST 87

und Euch zum ewigen Leben zu führen, auf welchem Wege es ihmauch immer gefallen möge.

Ich hatte gedacht, daß ich nur wenige Worte schreiben würde,aber die Liebe hat die Feder fortgerissen, und so habe ich Euchmein Herz mehr geöffnet, als es meine Absicht war. So wissetdenn endlich, daß mein Herz fester denn je entschlossen ist, Seeleund Leib, alles Wissen und alle Gnade, die mir Gott verlieh, derLiebe Gottes und dem Heile meines Nächsten zu widmen; undweil ich das in meiner Heimat nicht kann, so will ich es in derFremde tun. Darum bitte ich Euch: widersetzt Euch meinem Laufenicht, da Ihr wohl wißt, daß ich Euch, wenn ich irgend kann, hel-fen und, wenn es notwendig ist, auch gern nach Ferrara kommenwerde. So lange es aber nicht notwendig ist, würde ich es für einegroße Sünde halten, wenn ich aus einem geringfügigen Grunde dasWerk, welches Gott mir übertragen, im Stiche ließe. Ich ermahneEuch: ertraget alles in Geduld und tröstet meine Schwestern, diewissen sollen, daß Gott besser für sie gesorgt hat, als sie meinen.Denn wenn er es anders mit ihnen gefügt, ihnen Vermögen undEhren gegeben und sie verheiratet hätte, so wären sie in verschie-dene schwere Sünden verfallen, die sie jetzt nicht kennen, und siewären mehr als jetzt in die Welt verstrickt. Ich wünschte, sieöffneten die Augen und erkannten die Gnade, die ihnen Gott er-wiesen. Ihm sollen sie sich von ganzem Herzen empfehlen, denn erverläßt niemanden, der auf ihn vertraut. Ermahnt auch meineBrüder und alle andern zum guten Wandel! Heute nach demEssen breche ich nach Genua auf. Bittet Gott, daß er mich sichergeleite und in jener Stadt recht viel Gutes wirken lasse! Empfehletmich dem Onkel und der Tante, den Vettern und Basen! Gott seiin Gnaden mit Euch und bewahre Euch vor dem Übel um derLiebe unseres Herrn Jesu Christi willen! Amen. Geschrieben zuPavia, in Eile, am Tage der Bekehrung des Apostels Paulus 1490.

Euer Sohn, Frate Hieronymus Savonarola."

So wenig wie die Briefe, die er zur Beruhigung seiner Eltern vorJahren aus Bologna nach seinem Klostereintritte an sie gerichtethatte, war das Schreiben aus Pavia imstande, den herben Schmerzder untröstlichen Mutter zu heilen. Zwar legte es vom verzehren-den Gotteseifer seines Verfassers rührendes Zeugnis ab und ent-warf eine lebendige Schilderung seiner unermüdlichen Seelsorgs-