Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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86 RÜCKKEHR NACH FLORENZ

immer, wenn ich von Ort zu Ort ziehe, so geschieht es zu diesemZwecke, um dessentwillen mich auch meine Oberen senden.Darum solltet Ihr Euch vielmehr trösten, daß eines Eurer Kindervon Gott gewürdigt ward, zu so hohem Amte erwählt zu werden.Hielte ich mich beständig in Ferrara auf, so könnte ich, glaubetmir, nicht so viel Gutes wirken wie in der Fremde, denn keinOrdensmann oder doch nur ganz wenige vermögen in ihrer Hei-mat die Frucht eines heiligen Lebens zu tragen. Darum mahnt jaauch die Heilige Schrift unaufhörlich, die Heimat zu verlassen, daein Einheimischer niemals den Glauben findet wie ein Fremder,weder in seinen Predigten noch Ratschlägen. Darum spricht unserErlöser, kein Prophet gelte in seinem Vaterlande, wie er ja auchselbst in seiner Heimat nicht angesehen war. Da nun Gott dieGnade hatte, mich aus meinen Sünden zu so hohem Amte zu be-rufen, wofür ich ihm nicht genug danken kann, so ergebt Euchdarein, daß ich ferne der Heimat in seinem Weinberge arbeite, woich weiß und es mit Händen greife und mich durch die täglicheErfahrung davon überzeuge, daß ich für mein Seelenheil wie fürdas anderer unvergleichlich mehr wirke, als ich in Ferrarakönnte 13 .. Außerhalb meiner Heimat sprach man nicht so zu mir(wie ich es in Ferrara hören mußte), vielmehr weinen Männerund Frauen, wenn ich fortgehe, und legen großen Wert auf meineWorte. Ich schreibe dies nicht, als wäre ich auf menschliche Aner-kennung versessen oder lobsüchtig, sondern lediglich um Euch zuzeigen, weswegen ich fern von meiner Heimat weile, auf daß Ihrerkennt, daß ich dies gern tue, im Bewußtsein, daß ich so zumWohlgefallen Gottes wie zu meinem und meiner NebenmenschenSeelenheile am besten wirken kann, und das gilt mir mehr als alleSchätze der Welt, die ich im Vergleiche zu meinem Gewinne fürStaub und Kot erachte. Darum, meine verehrteste Mutter, grämetEuch nicht hierüber, denn je wohlgefälliger ich mich Gott mache,desto mehr vermögen meine Gebete für Euch bei ihm. Glaubetauch nicht um Euer Leiden willen, daß Gott Euch verlassen habe,sondern glaubet vielmehr, daß Ihr ihn verlassen habt, und darumer Euch. Deswegen zwingt er Euch nun durch die Strafen, zu ihmzurückzukehren, indem er Euch vielmehr samt den Eurigen aufdiesem Wege retten und meine Gebete erhören will, in welchen ichihn nicht bitte, Euch irdisches Gut zu geben, sondern seine Gnade,