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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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84 RÜCKKEHR NACH FLORENZ

und wenn nicht wirksame Hilfe, so doch heilsamen Trost zu spen-den, wenn er nur wenigstens in Ferrara blieb und ihrer Not undBedrängnis erreichbar war. Mit größter Freude hatte sie daher dieNachricht von seiner Versetzung nach Ferrara vernommen. In allihren Kümmernissen war sie ins Kloster von den Engeln geeilt, umihm ihr Herz auszuschütten und aus dem Verkehre mit ihm Mutund Stärke zu schöpfen. Und nun war er neuerdings fortgezogen,wiederum stand sie verlassen und einsam da. Sehnsüchtig harrtesie auf ein Lebenszeichen von ihm aus der Ferne und beklagtesich bei seinen Ordensbrüdern, als es ausblieb.

Wann ihr Sohn nach Brescia kam, und wie lange er sich dortaufhielt, ist uns nicht überliefert; wir haben jedoch Grund zurVermutung, daß er etwa im Jahre 1488 dort eintraf 7 . Wie schon inS. Gemignano, so verkündete er auch in Brescia die Nähe des gött-lichen Strafgerichtes 8 . Am Feste des heiligen Andreas (1489?) hielter eine Predigt, an die man nach Jahrzehnten noch dachte. Im An-schlüsse an das vierte Kapitel der johanneischen Offenbarung, indem von den vierundzwanzig Ältesten die Rede ist, die in weißenGewändern um den Thron des Allerhöchsten sitzen, erklärte er,Gott habe sie auf die Welt gesandt, und einer von ihnen sei zu ihmmit dem Auftrage gekommen, die Gläubigen zur Buße zu mahnen.Denn eine große Züchtigung werde über ganz Italien und beson-ders über Brescia hereinbrechen, und die Eltern sollten es mit an-sehen müssen, wie ihre Kinder hingeschlachtet und durch dieStraßen der Stadt geschleift würden 0 . Als nun im Jahre 1512 dieFranzosen unter Gaston de Ffix Brescia erobert und ein grauen-haftes Blutbad unter den Einwohnern angerichtet hatten, bei demmehr als 11 000 Menschen auf gräßliche Weise ums Leben kamen,da erinnerte man sich seiner Predigt, und der Glaube an ihn undseine göttliche Sendung erhielt neue Nahrung 10 . Im übrigen ver-lebte Hieronymus zu Brescia wohl die glücklichste Zeit seines Le-bens. Wie ihn der tägliche Augenschein lehrte, fiel sein Wort auffruchtbaren Boden. Er war besonders an den Feiertagen aufsstärkste in Anspruch genommen, durfte aber auch das erhebendeBewußtsein hegen, daß seiner Arbeit reicher Ertrag beschiedenwar. Zu Beginn des Jahres 1490 wurde er vom ehrenvollen Auf-trage seiner Obern ereilt, in Genua die Fastenpredigten zu halten.Unverzüglich machte er sich dorthin auf den Weg, der ihn überPavia führte, wo er im Schöße seiner Ordensbrüder kurze Rast