Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
81
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ABBERUFUNG AUS FLORENZ

die Kirche müsse 1. gezüchtigt und 2. hierdurch erneuert werden, !und zwar 3. bald 64 .

Daß Hieronymus mit solcher Unglücksbotschaft nicht in Flo- .renz selbst auftrat, war begreiflich; Lorenzo de' Medici hörte sieungern. Auch im Jahre 1487 durfte er eine der bedeutenderenKanzeln der Stadt nicht besteigen. Er hielt die Fastenpredigten beiden Nonnen der heiligen Verdiana und konnte selbst sie nicht zuEnde führen, da er von seinen Obern mit einem Male aus Florenzabberufen wurde, worauf sein Schüler Thomas Busini für ihn ein-sprang und die Predigten fortsetzte 65 . Welches war wohl derGrund dieser so plötzlichen, einer Verbannung ähnlichen Entfer-nung Savonarolas? Von S. Marco war der Anstoß zu ihr sichernicht ausgegangen. Im Gegenteilesowohl bei den Klosterge-nossen wie bei den Weltleuten hatte er sich, wie uns versichertwird 60 , den Ruf solcher Gelehrsamkeit und Heiligkeit erworben,daß sie alle nur das eine Verlangen hegten, ihn für immer bei sichzu behalten." Gewiß hätten auch die Ordensoberen diesem Wunscheentsprochen, hätten sie sich nicht durch Erwägungen zum Ein-schreiten veranlaßt gesehen, die dringlicher Art und wohl durchdie Rücksicht auf Lorenzo de' Medici bestimmt waren. So schiedHieronymus zu Anfang des Jahres 1487 nach beinahe fünfjäh-riger 67 , gesegneter Wirksamkeit aus S. Marco und Florenz; aberseine Ahnung mochte ihn sagen, daß es kein Abschied für immerwar.

<> Schnitzer, Savonarola