Oo S. MARCO. - DIE ERSTE FLORENTINISCHE WIRKSAMKEIT
Heimsuchung naht, jetzt wird die Verwüstung über dich herein-brechen 60 ." Ging doch eben in jenen Tagen nach dem Tode Six-tus' IV. eine Zeitlang das unheimliche Gespenst einer Doppelwahlund Kirchenspaltung um; die Verwirrung und Aufregung steigertesich immer mehr 61 . „Jesus, süßer Trost und höchstes Gut der betrübten Herzen, wirf einen Blick deiner vollen Liebe auf Rom!Sieh mit den Augen deiner Barmherzigkeit auf den Sturm, demdeine Braut ausgesetzt ist! In Strömen wird das Blut fließen,wenn nicht deine gütige Hand ihr den Frieden zurückgibt, derherrschte, da sie noch arm war. Eile deiner heiligen römischenKirche zu Hilfe, die der Teufel zugrunde zu richten strebt! Jedergute Geist scheint nun entschwunden zu sein, ich sehe nur Schwer-ter. Laß dir, o Herr, die Seufzer deiner Gläubigen zu Herzengehen! Steuere all diesem Hader, verjünge die Kirche! Greift deinstarker Arm diesmal nicht zu den Waffen, so ist es um deineReligion wie um alle gute Sitte unfehlbar geschehen. Kehre unsereirdischen Seelen deinem himmlischen Reiche zu, Waisen sind wirja, und du bist unsere einzige Hoffnung!" So flehte Hieronymusin einem frommen Liede inbrünstig zum Himmel, das er 1484i verfaßte, „als der Teufel nach dem Tode Sixtus' IV. Zwietrachtin der Kirche säte. Da breitete der Herr seine Hand aus, es wardEintracht, und in kurzem ward Innozenz VIII. gewählt, zur Ver-ys/lj*^ t wunderung aller, die eine Spaltung befürchteten 82 ".
Allein, wenn nun auch das Ärgste für den Augenblick glücklichbehoben war, so war der neue Papst doch nicht der Mann, vondem sich eine Besserung der traurigen kirchlichen Zustände er-warten ließ. Schon seine um Geld erkaufte Wahl 63 mußte denGutgesinnten zum Ärgernisse gereichen. Da er überdies zwei un-eheliche Kinder, einen Sohn Franceschetto und eine Tochter Theo-dorina, auf den Heiligen Stuhl mitbrachte, so war der unheilvol-len Günstlingswirtschaft, die der Kirche unter Sixtus IV. so furcht-bare Wunden geschlagen hatte, erst recht wieder Tür und Tor ge-öffnet. Unter solchen Umständen hielt Savonarola die Zeit dergöttlichen Strafgerichte für erfüllt, und die Stunde hatte für ihngeschlagen, sie zu verkünden. Von seinen Obern zur Predigt nachS. Gemignano geschickt, trat er hier zuerst 1485 und 1486 in sei-nen Kanzelreden mit den berühmten drei Sä t zen a uf, die fortanbis an sein Lebensende den Grundton all seiner Predigt bildeten.