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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
75
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DER BEGEISTERNDE LEHRER 75

Bücher gleichgekommen wäre, mochten gleich die vergangenenJahrhunderte in manchen Wissenszweigen noch so ausgezeichneteMänner erzeugt haben

Unter solchen Umständen ward seine tägliche Vorlesungzur Predigt, sein Lehrstuhl zur Kanzel; was die lectio ordinäriaim Sinne der Ordenssatzungen bieten sollte, Belehrung undErbauung zugleich, das brachte er im reichsten Maße. Nichtauf die wissenschaftliche Ausbildung der Jünglinge legte er J^^das Hauptgewicht, sondern auf ihre religiös-sittliche Er-ziehung, auf die Entwicklung einer kernhaften Frömmigkeit inäer Nachfolge Christi, die ihm als Inbegriff christlichen Lebensvon jeher vor Augen schwebte. Eindringlich ermahnte er alle,die Heilige Schrift zu studieren 42 ; noch nach seinem Tode bildetees ein besonderes Kennzeichen seiner Jünger, daß sie die HeiligeSchrift immer bei sich trugen 43 . Mit seiner ungewöhnlichen Ge-lehrsamkeit, mit der peinlichen Gewissenhaftigkeit in Beobachtungder Ordensregel, worin er allen als leuchtendes Beispiel voran-ging, war er Gegenstand aufrichtiger Verehrung für alle 41 . Wieim Sturme riß er die Herzen der Studenten mit sich fort.Lehrerund Schüler", erzählt 45 einer,verstanden sich vollkommen. Mitihm schlug die seit Jahrhunderten erkaltete Glut gegenseitigerLiebe, die der Herr seinen Gläubigen so nachdrücklich mit denWorten empfahl: ,Dies ist mein Gebot, daß ihr einander liebet 4 ",in den Herzen der Brüder zu hellen Flammen empor. Waren sieeinander schon bisher in Liebe zugetan, so verdoppelten sie diesenunmehr, von seinen Worten entzündet, so daß sie nur mehr e i nHerz und eine Seele im Herrn zu haben erkannten und die süßeGewalt der Liebe sogar sinnlich empfanden. Vom Beispiel seinergewissenhaftesten Armut mit fortgerissen, fanden sie nun an alldem unnützen Zeug, auf das sie bisher so versessen waren, wieBücher, Bilder, Schreibzeug und dergleichen, keinen Geschmackmehr und begannen einzusehen, daß es besser sei, wenig zu be-dürfen als viel zu besitzen. Sooft sich beim Lesen, Disputierenoder Spaziergang die Gelegenheit bot, die er häufig auch suchte,flocht er ergreifende Worte über die Menschenfreundlichkeit 47Christi und über die unaussprechliche Liebe ein, die Gott selbstden verworfensten Menschen bezeigt, und ermahnte aufs eindringlichste, ihm für alle seine Wohltaten den schuldigen Dank zusagen. Erging er sich mit seinen Schülern auf grünender Au, so