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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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74 S. MARCO. - DIE ERSTE FLORENTINISCHE WIRKSAMKEIT

und mehr hatte weichen müssen, waren entzückt. Die Art undWeise, wie Hieronymus die heiligen Schriften zum Sprechenbrachte, die Brücken, die er zwischen Vergangenheit und Gegen-wart zu schlagen, die überraschenden Beziehungen, die er zwischenden Verhältnissen der grauen Vorzeit und dem Leben und Treibender Völker, wie es sich eben jetzt vor aller Augen abspielte, auf-zudecken verstand, erweckten allgemein die höchste Bewunde-rung. Die Hörer glaubten sich in eine neue Welt versetzt undpriesen sich glücklich, unter seiner Leitung nun erst zum Ver-ständnisse jener heiligen Bücher vorgedrungen zu sein, die für siebisher wie mit sieben Schlüsseln verschlossen schienen. MitTränen in den Augen kam er, dem Berichte eines damaligen Schü-lers zufolge 39 , meist in die Vorlesung, auf die er sich, statt durchStudien, im betrachtenden Gebete vorbereitet hatte; und doch ent-sprach er, seinem Gegenstande völlig gewachsen, allen Erwar-tungen aufs beste.Wenn er", so meldet einer seiner damaligenHörer 10 ,zur mystischen Auslegung der heiligen Bücher kam, daließ er alle menschlichen Begriffe hinter sich, und seine Worteflössen nicht aus der Werkstatt menschlicher Redekunst, sondernaus der Eingebung eines höheren Wesens."Sobald er", ver-sichert derselbe Gewährsmann,über die Heilige Schrift zu spre-chen begann, da bemächtigte sich aller Brüder eine solche Span-nung, und es trat eine solche Stille ein, daß, so groß auch die Zahlder Klostergenossen wie der herbeigeströmten Weltleute seinmochte, doch nur mehr er allein da zu sein schien. Kein Aus-spucken, kein Räuspern, kein Husten, kein schläfriges Gähnen warzu vernehmen, selbst die natürlichen Bedürfnisse des Leibesschienen gänzlich vergessen, und nur eines tat den Zuhörern leid,daß nämlich der Vortrag so bald schon zu Ende war. Und das warsehr begreiflich. Denn seine Lehre bestand nicht aus ödemPhrasenschwalle oder aus bloßen Fabeln, und nicht aus den Fünd-lein menschlicher Weisheit, die den Geist mehr aufbläht als nährt,war sie zusammengestoppelt, sondern wie vom Himmel herab-gefallen hob sie die fleischlich gesinnten Gemüter zur Erkenntnisdes Schöpfers empor und riß die Herzen von der Anhänglichkeitans Irdische los, um sie zur Liebe Gottes zu entflammen." Sostark war der Eindruck, den er auf die Studierenden hervor-brachte, daß sie urteilten 41 , seit der Zeit der heiligen Lehrer habees niemanden mehr gegeben, der ihm in Erschließung der heiligen