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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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Aufs schmerzlichste empfand er es, daß man sie selbst in kirch-i liehen Kreisen so vielfach beiseitesetzte, um statt ihrer Plato und

72 S. MARCO. - DIE ERSTE FLORENTINISCHE WIRKSAMKEIT

Ehrenrechte keinen Anspruch hatten 31 . Es war kein Zufall, daßHieronymus bei Räumung des ferraresischen Engelklosters geradenach S. Marco versetzt ward. Zwei seiner bolognesischen Lehrerwaren ihm hierher vorangegangen. Nikolaus von Pisa war 1479bis 1481 Prior von S. Marco, und auf ihn folgte 1482 Vinzenz Bän-deln 32 . Ohne Zweifel auf den Wunsch dieser hervorragenden Män-ner war er nach Florenz gekommen; von Vinzenz Bandelli, dersich in der Gelehrtenwelt eines glänzenden Namens erfreute, sei-nem nunmehrigen Prior, ward er zum Lesemeister erkoren.

Mit heller Begeisterung gab sich Hieronymus der Aufgabe hin,

Idie ihm durch seine neue Stellung zugewiesen war, der Aus-legung der Heiligen Schrift. Eben die Heilige Schriftbildete ja die Leidenschaft seiner Seele, das Buch seines Lebens.

Aristoteles, ja einen Fabelhansen wie Ovid sogar auf der Kanzelzu behandeln 33 . Alle Wissenschaften, klagte er 31 , haben ihre Lehr-stühle, nur nicht die Heilige Schrift; da sie in unseren Tagen sosehr vernachlässigt wurde, so kam große Unwissenheit in reli-giösen Dingen über die Massen und das christliche Leben hörteauf, wie geschrieben steht 35 :Wenn die Prophetie erlischt, so wirddas Volk zügellos." So war es denn sein angelegentlichstes Be-streben, die jugendlichen Herzen seiner Schüler mit jener Liebezu den heiligen Büchern zu entflammen, die in ihm selbst loderte,und das Verständnis ihrer religiösen Größe und Tiefe sowie ihrerunvergänglichen Bedeutung für das christliche Leben in ihnen zuwecken und zu pflegen. Namentlich weihte er sie in das Geheimnisein, das ihm selbst aufgegangen und zum Zauberstabe gewordenwar, der ihm die scheinbar trockensten und abgelegensten Stellenmit ungeahntem Leben erfüllte und besonders die als längst über-lebt vielfach geringgeschätzten alttestamentlichen Schriften mitunwiderstehlicher Anziehungskraft ausstattete in die Erkennt-nis ihres Gegenwartswertes. Wenn er sich in die heiligen Urkundenan der Hand der kirchlichen Erklärer und Lehrer vertiefte, einesheiligen Hieronymus, Augustin, Gregor des Großen, so überzeugteer sich auf Schritt und Tritt immer aufs neue, daß sie die Gel-tung und Tragweite der biblischen Erzählungen und Aussprüchenicht auf die Zeit ihrer Entstehung oder auf die Tage Jesu be-schränkten, sondern auch mit den Ereignissen ihrer eigenen Ge-