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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
71
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S. MARCO TRITT DER LOMBARDISCHEN KONGREGATION BEI 71

Armutsgelübde anführte, war hinfällig; den wahren Grund aberverhehlte er sich, die Abhängigkeit von den Medici.

Dazu kam ein weiterer Umstand. Die Brüder von S. Marco hat-ten im Pestjahre 1448 schwere Personalverluste zu beklagen; undtrotz aller Armutserleichterung war der Zugang an neuen Kräftenso schwach, daß sie 1456 nur zwei Novizen zählten 25 . Um ihrestark gelichteten Reihen wieder aufzufrischen, richteten sie ihrAugenmerk auf die lombardische Reformprovinz, die über einenstattlichen Personalstand verfügte, und setzten es 1451 unschwerdurch, daß sie von der römisch-toskanischen Provinz, der sie bis-her einverleibt waren, getrennt und der lombardischen Kongrega-tion angegliedert wurden 26 . Als dann Meister Hieronymus von Par-lasca, der beim Herzoge Bor so von Ferrara in großem Ansehenstand, im Jahre 1469 die Klöster von Ferrara und Modcna von derLombardei trennte, schloß sich Santi Schiattesi, der damaligePrior von S. Marco, ein Jünger Antonins, dem er wie im klöster-lichen Amte, so in der Frömmigkeit folgte 27 , samt seinen Mitbrü-dern von S. Marco und Fiesole seinem Beispiele an, in der Hoff-nung, hierdurch einige toskanische Klöster, in welchen die Regelehedem blühte, nun aber wieder zerfallen war, durch eine solcheTrennung leichter reformieren zu können 28 . Diese Erwartung er-füllte sich jedoch nicht, und so kehrten S. Marco und S. Domini-kus von Fiesole 1474 unter den Gehorsam der Lombarden zurück,denen sich nun auch das Kloster S. Gemignano im Gebiete vonSiena unterwarf 29 . Wenige Jahre später, im Sommer 1482, betratim Auftrage seiner Oberen der Mann das Kloster S. Marco 30 , dermit der Reform gründlich Ernst machen und eine außerordent-liche Rolle nicht nur in ihm selbst, sondern auch in der Stadt spie-len sollte Hieronymus Savonarola.

Es war für Savonarola eine schmeichelhafte Auszeichnung, daßer, der die zur Vorbereitung aufs Lektorat anberaumten höherenj Studien noch nicht vollendet hatte, mit dem Amte eines Lesemei-' sters in einem so angesehenen Kloster wie S. Marco betraut ward.Nicht als ob damit auch schon die förmliche Übertragung dertheologischen Magisterwürde verbunden gewesen wäre. Es kamöfter vor, daß Brüder, ohne zu Baccalaren, geschweige zu Lese-meistern befördert zu sein, im Auftrage ihrer Oberen in Klöstern,in welchen keine Generalstudien bestanden, Theologie lasen, wennsie dann auch auf die den wirklichen Meistern vorbehaltenen