S. MARCO MEDICEISCHES HOFKLOSTER 69
möglich vom Bettel leben. Die Brüder säumten denn auch nicht,diesen Verhältnissen mit Hilfe des höchsten kirchlichen Gesetz-gebers die äußere rechtliche Grundlage zu schaffen. Als Antoninim Jahre 1455, damals schon zehn Jahre Erzbischof, an der Spitzeeiner glänzenden Gesandtschaft 21 dem neuen Papste Calixt III.,die Huldigung seiner Vaterstadt darbrachte, da setzte er es auf Be-treiben und mit Hilfe Cosimos beim Papste mühelos durch, daßjdas Kloster die Ermächtigung erhielt, Besitzungen und jährlicheEinkünfte zu erwerben und zu behalten — ein Gesuch, das um soweniger auf Schwierigkeiten stieß, als es vom Ordensgeneral Mar-tial Auribelli von Avignon (1453—1462) unterstützt wurde 22 .Allerdings scheint es in S. Marco nicht an Brüdern gefehlt zuhaben, die es mit der Reform ernst«neinten und von einer solchenDurchlöcherung der Regel nichts wissen wollten. Zu ihnen zähltekein geringerer denn Fra Angelico, der in einem noch erhaltenenFresko an der Mauer eines der belebtesten Klostergänge vonS. Marco den heiligen Ordensstifter darstellte, das aufgeschlageneRegelbuch in Händen, worin in großen Schriftzügen furchtbarerFluch jedem angedroht war, der sich vermessen würde, festen Be-sitz im Orden einzuführen 23 . Um so mehr muß man sich wundern,wie sich ein Mann wie Antonin, noch als Erzbischof der erklärteLiebhaber der Armut und der Armen, in einem der wichtigstenStücke der Regel über den ausdrücklichen Willen des Stifters hin-wegzusetzen vermochte. Aber auch Heilige widerstehen der Ver-
7 c Jsuchung nur schwer, das recht und heilig zu finden, was ihrem
Herzenswunsche und Vorteile entspricht. Sollte die im Konven-tualismus verkümmerte Ordensregel wieder zu Ehren kommen, somußte der Observantismus gefördert werden, was in Florenz zurZeit Cosimos eben nur mit Hilfe Cosimos möglich war. Ein denMedici höriges Kloster konnte aber unmöglich ein echtes Bettel-kloster im Sinne der alten Regel sein; also schien es geraten, inS. Marco von der strengen Durchführung der alten Regel abzu- , 0
sehen und um der^ Observanz willen^ein Stück Observanz preis-,zugeben. Gerade bei einem Reformkloster mußte aber das Abgehen v 'von der Strenge der Satzungen besonders auffallen und darum 'besonders gerechtfertigt werden; man mußte sich also nach trif- *''/*"*"—tigen Gründen umsehen, und man fand ohne Mühe, was man /ktr£*~- £ -brauchte und suchte. Antonin überredete sich, der Wille des hei-ligen Ordensstifters sei nur insoweit zu befolgen, als die Umstände