Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

68 S. MARCO. - DIE ERSTE FLORENTINISCHE WIRKSAMKEIT

Zellen vorbehalten, um sich von Zeit zu Zeit in stiller Zurück-gezogenheit von der Welt frommen Übungen hinzugeben. In allem. berechnend, wußte er auch beim Baue S. Marcos sehr wohl, wasI er tat. Es sollte eine Art Sühnewerk sein 10 . Eben die Jahre, in wel-chen er S. Marco erneute, waren die Zeit, in welchen er am grau-samsten wider seine politischen Gegner wütete, zahlreiche Fami-lien an den Bettelstab brachte, ganz unschuldige Leute, wie denedlen Palla Strozzi und viele andere, ins Elend jagte und vor-nehme Frauen zwang, die Hand nach Almosen auszustrecken.Eben damals war es auch, daß Antonin die schon erwähnte Bru-derschaft zur Unterstützung verschämter Armer, die Buonhominidi S. Martino, gründete 17 , die im Laufe der Zeit unendlichen Segenverbreitete Und wenigstens einigermaßen die bitteren Tränentrocknete, die Cosimo den unglücklichen Opfern seiner erbar-mungslosen Politik erpreßt hatte.

S. Marco trug das Wappen der Medici, die roten Kugeln im gol-denen Felde. Auf krummen Wegen erschlichen, mit dem Sünden-geld der Medici, an dem die blutigen Zähren unzähliger Opferklebten, auf- und eingerichtet, stand das Kloster vom Beginne sei-nes Überganges an die Observanten an unter keinem glücklichenStern. War Cosimo zwar nicht verfassungsrechtlich, aber dochtafsächlich regierender Fürst, so war S. Marco seine fürstlicheStiftung, mediceisches Hofkloster 18 . Von Cosimos Gnaden lebtendie Brüder, nicht vom Ertrage der Almosen, die sie der Regelgemäß vor den Türen der Gläubigen hätten einsammeln sollen.Von den Medici kam das Brot, das sie aßen; von den Medici derWein, den sie tranken. Die Eier, der Käse, das öl, und was sonstauf ihren Tisch kam, vom Gelde der Medici ward es bestritten 19 .Die Medici waren es auch, die ihnen für alle Lebensmittel, die siein die Stadt einführten und von rechtswegen zu verzollen gehabthätten, Steuerfreiheit erwirkten. Die Kutte, die sie am Leibe tru-gen, war von dem Tuche geschneidert, das ihnen Cosimo gespen-det hatte. Das Holz, das sie in der Küche verbrannten, war vonihm bezahlt 20 . Unter solchen Umständen konnte in S. Marco vonjener strengen Armut, die den besonderen Ehrentitel der in denFußstapfen der ursprünglichen Regel wandelnden Reformfreundehätte bilden sollen, keine Rede mehr sein. Als echte Söhne des hei-ligen Dominikus hätten die Observanten von S. Marco Bettel-mönche sein müssen; aber ein mediceisches Kloster konnte un