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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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DIE MARCIANA 67

saale sowie in den oberen Zellen jene ergreifenden Bilder aus derLebens- und Leidensgeschichte des Erlösers an die Wände, dienoch heute das Entzücken aller Beschauer bilden 12 . Und sein leib-licher Bruder Benedikt, ebenfalls ein Sohn von S. Dominikus inFiesole, zu dessen Prior er nach Erhebung S. Marcos zum selb-ständigen Kloster (1445) erwählt ward, stattete S. Marco auf Rech-nung Cosimos mit den zum Gottesdienste erforderlichen Meß- undChorbüchern aus, die er zum größten Teile mit eigener Handschrieb und kunstvoll verzierte. Michelozzi mochte eben über denPlänen zur Neuaufrichtung S. Marcos sinnen, als 1437 NiccoloNiccoli starb, der gefeierte Humanist und leidenschaftliche Hand-schriftenschwärmer. Er hatte letztwillig verordnet, daß seine zurdamaligen Zeit einzigartige, etwa 600 Bände umfassende Büchereider öffentlichen wissenschaftlichen Benützung eingeräumt werde,und sechzehn der angesehensten florentinischen Bürger, unterihnen Cosimo und Lorenz de' Medici, zu Vollstreckern seines letz-ten Willens bestellt. Im Einvernehmen mit seinen Genossen be-hielt Cosimo zur Deckung der von Niccoli hinterlassenen Schul-den 200 Bände für sich, während er die übrigen 400 in S. Marco,wo er durch Michelozzi prächtige Bibliothekräume errichten ließ,unterzubringen beschloß. Da Niccolis Bücherei fast nur huma-nistisch-weltliche Werke enthielt, so ließ Cosimo durch JulianLapaccini, einen Mönch von S. Marco und Verwandten Niccolis,sowie durch den erfahrenen Buchhändler Vespasian da Bisticci zuSiena und Lucca zahlreiche theogisch-kirchenrechtliche Werkedazukaufen, wofür er das eine Mal 400, das andere Mal 250 Gold-gulden ausgab. Damit war jene weltberühmte Bibliothek begrün-det 13 , die, nach ihrem StandorteMarciana" genannt, neben denFresken Fra Angelicos den kostbarsten Schatz des Klosters, wennnicht der ganzen Stadt, bildete. Ende 1442 war der Um- bezie-hungsweise Neubau des Klosters und der Kirche, worauf Cosimodie hohe Summe von 36 000 Goldgulden verwendet hatte, beendet.Am Feste der heiligen Dreikönige 1443" weihte der KardinalNikolaus Acciapacci, Erzbischof von Capua, die Kirche ein.Eugen IV. nahm an der Feier persönlich teil 15 und brachte die fol-gende Nacht in einer der engen, niedrigen, armseligen, aber durchdie Kunst Fra Angelicos verherrlichten Zellen zu, die noch heutegezeigt wird. Ein Festtag war die Einweihung S. Marcos aber vorallem für den Bauherrn, für Cosimo selbst. Er hatte sich zwei5*