___________ DIE ANFÄNGE S. MARCOS _________________65
minici aus Florenz, die rechte Hand des für die Observanz begei-sterten Ordensgenerals Raymund von Capua, hatte 1405—1406mit den milden Gaben florentinischer Bürger das Kloster S. Do-minikus zu Fiesole vor den Toren von Florenz gegründet 6 . ZuDominicis feurigsten Jüngern zählte Antonin Pierozzi aus Florenz,der spätere Erzbischof seiner Vaterstadt und Heilige, der schon1405 zu Fiesole eingetreten war und fortan bis zu seinem Tode1459 eine der stärksten Säulen der Observanz in Toskana blieb 7 .Die Observanten dachten natürlich nicht daran, vor den Mauernder Blütenstadt Halt zu machen, und nur die widrigen Verhält-nisse, mit denen sie in den nächsten Jahren zu kämpfen hatten,hinderten sie an der sofortigen Ausführung ihrer Absicht. Da näm-lich ihr geistiger Vater Johannes Dominici, von Gregor XII. zumKardinal ernannt, dessen treuester Anhänger blieb und auch siedazu ermahnte, so hielten sie mit unverbrüchlicher Festigkeit anGregor XII. fest und ließen von ihm selbst dann nicht ab, als sichnicht bloß die gesamte florentinische Republik, sondern auch derDominikanergeneral Thomas von Fermo dem auf dem Konzil vonPisa (1409) gewählten Alexander V. angeschlossen hatte. Vergeb-lich bat und beschwor der General die Observanten von Fiesole,dem neuen Papste Gehorsam zu leisten. Da alles nichts half, soließ er den Prior von Fiesole gefangen nach Florenz abführen,worauf die Brüder bei Nacht und Nebel das Kloster verließen undnach Foligno flohen, wo sie für die nächsten Jahre eine Zufluchtfanden 8 . Kaum waren sie jedoch nach Wiederherstellung derkirchlichen Einheit durch das Konzil von Konstanz und die WahlMartin V. nach Fiesole zurückgekehrt, als sie auf Mittel und Wegesannen, festen Fuß in Florenz selbst zu fassen. Die Medici, Cosimound sein Bruder Lorenz, boten ihnen hierzu die starke Hand. Seit1290 hatten die Silvestriner, ein Zweig des Benediktinerordens,das Kloster S. Marco" inne, mit dem die Seelsorge über das zuge-hörige Kirchspiel verbunden war. Auf S. Marco nun hatten es dieObservanten abgesehen, und sie hatten einen schlauen Plan aus-geheckt, um die Silvestriner zu verdrängen und sich in ihr warmesNest zu setzen. Auf dem Konzil von Konstanz wurden Beschwerdenüber den unerbaulichen Wandel der Silvestriner und das Verlangenlaut, diese möchten aus S. Marco vertrieben und statt ihrer die Ob-servanten von Fiesole berufen werden. Schwerlich hätte ihre Klagebei Papst und Konzil Beachtung gefunden, wäre sie nicht von den
5 Schnitzer, Savonarola