Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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5Q FLORENZ BEI ANKUNFT SAVONAROLAS

kräftigsten Wurzeln geschlagen hatte, in Florenz, und hier wiederin dem Hause, das als das Herz und der Herd aller florentmischenAufklärung gelten durfte, bei den Medici. Schon ihre lediglich vomeigenen Vorteile beseelte, in ihren Zwecken wie Mitteln vollkom-men bedenkenlose, vom Geiste des Evangeliums unberührteStaatskunst, die unübertreffliche Hochschule jener verrufenenPolitik, die in Nikolaus Machiavelli ihren berühmtesten Heroldfand, war echt heidnisch. Ihr Palast mit seinen unschätzbarenSammlungen an Büchern, Handschriften, Kunstwerken und Alter-tümern aller Art war die Hochburg aller auf die Wiederbelebungdes altheidnischen Geistes gerichteten Bestrebungen, die uner-schöpfliche Rüstkammer, die Gelehrte, Dichter und Künstler mitallen Mitteln zur Pflege klassischer Studien versah. Obschon erdie Augen der ganzen Stadt als ihr vornehmster Bürger auf sichgerichtet sah, stürzte sich Lorenzo trotz seiner nicht unglücklichenEhe mit Ciarice Orsini von einer Liebschaft in eine andere 73 . Inseinen Faschingsliedern stimmte er die ausgelassensten undschlüpfrigsten Weisen an und pries in schwermütigen Versendie Vergänglichkeit der schönen Jugendzeit und das Anrecht auffrohen Genuß des heutigen Tages, da es keine Gewißheit des mor-gigen gebe 74 . Es war sicher kein Zufall, daß in dem von ihm ge-dichteten SchaustückeSt. Johann und Paul" die am meistengeglückte, am sorgfältigsten ausgeführte Figur die des Ju-lianus Apostata war, den das Mittelalter schwarz wie den Teufeldargestellt haben würde 75 . Er besang am einen Tage die Liebes-händel des Mars und der Venus und dichtete am nächsten geist-liche Lieder (Lauden) zu Ehren der seligsten Jungfrau derdeutlichste Beweis, daß ihm die Wahrheit der christlichen Glau-benslehre nicht mehr am Herzen lag als der Zauber der altenGötterwelt. Sein Freund Ludwig Pulci legte imMorgante" demRiesen Margutte das schamlose Glaubensbekenntnis rohestenSinnesgenusses in den Mund 70 , was ihn keineswegs hinderte, jedenseiner Gesänge mit einer feierlichen Anrufung Christi oder derGottesmutter zu beginnen. In seinem Gedichte über die Beichtbereute er seine Sünden und widerrief alle Verse, die nicht imEinklänge mit dem Evangelium standen. So wenig wie sein Herrund Meister war Pulci Gottesleugner oder auch nur Ketzer; erteilte die Gleichgültigkeit seiner Umgebung, die sich mit gewohn-heitsmäßiger Beobachtung der kirchlichen Übungen sehr wohl ver-