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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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.56 FLORENZ BEI ANKUNFT SAVONAROLAS

welche die Seele gleich dem Leibe dem Tode unterwarfen und da-für in feurigen Särgen schmachteten, auf die Florentiner Farinatadegli Uberti und Cavalcante Cavalcanti 60 . Im 15. Jahrhundert griffaber die Leugnung der Unsterblichkeit der Seele unter der Herr-schaft des Humanismus in beängstigender Weise um sich. NiccoloNiccoli hielt sich über die vielen Ungläubigen und Empörer gegendie christliche Religion auf, die über die Unsterblichkeit der Seelehin und her redeten, als ließe sich sie, an der selbst die Heidennicht zweifelten, bestreiten 61 . So glaubte der Arzt Johannes Cavi-nus nicht an die Auferstehung der Toten und bestritt das Fort-leben der Seele nach dem Tode; als ihn der heilige Antonin dafürhängen und verbrennen ließ, hatte er mit dem Widerstände vielerBürger zu kämpfen 62 . Auch Ludwig Pulci, der am Hofe Lorenzenshochgeschätzte Dichter desMorgante", spottete in seinen Sonet-ten über den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele 63 , und dieVorliebe, mit der sich Lorenzo selbst in seinen Gesprächen mit ver-trauten Freunden über die Unsterblichkeit der Seele erging 64 , ver-riet, daß die Sache für ihn ihren Stachel hatte und eine offeneFrage blieb, die er durch die Kirchenlehre keineswegs schon fürerledigt hielt. So große Fortschritte machte die Leugnung der Un-sterblichkeit der Seele und der göttlichen Vorsehung, daß sie nach-gerade als sicheres Ergebnis philosophischer Wissenschaft auftratund Leo X. sich gezwungen sah, auf dem V. Laterankonzile 1513die durchaus nicht bloß von Petrus Pomponatius vertretene Lehrezu verdammen, man könne sie zwar als theologische Wahrheitbeibehalten, wenn sie auch philosophisch mehr als zweifelhaftsei 65 . Stand nun aber nicht einmal mehr der Glaube an die gött-liche Vorsehung, an die Unsterblichkeit und jenseitige Vergeltungfest, so war das Dogma in seinen Grundfesten erschüttert, undnicht etwa nur dem Mönchtume, das der Humanistenführer Pog-gio Bracciolini mit Hohn und Spott übergoß, sowie dem Papst-tume, dem Lorenz Valla durch Bestreitung der konstantinischenSchenkung die kirchenpolitische Macht entzog, sondern demChristentume und der Kirche selbst drohte der Untergang 66 .

Das neue Heidentum bezog nun aber seine Kerntruppen aus demLager der Humanisten, deren Dichten und Trachten im Altertumcwurzelte 87 . Selbst wenn sie auf Bewahrung des kirchlichen Geistesirgendwelches Gewicht gelegt hätten, so wäre es eine psycholo-gische Unmöglichkeit gewesen, daß sie bei ihrer unablässigen Be-