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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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52 FLORENZ BEI ANKUNFTSAVONAROLAS

an sich zu reißen und sich zum Alleinherrscher aufzuwerfen. Kurz,er sei lange Jahre hindurch der verderblichste und grausamsteTyrann gewesen 33 . Männer wie Parenti 34 , Cambi 35 und Guicciar-dini 36 urteilten zwar weniger hart als Rinuccini, stimmten aber derHauptsache nach mit ihm überein und beschuldigten wie die Me-dici im allgemeinen so Lorenzo im besonderen unverhohlen derTyrannei 37 .

Wie in politischer, so warf das strahlende Licht der medicei-schen Zeit auch in religiös-sittlicher Hinsicht düstere Schatten.Seit den Tagen, da der junge Buondelmonte dem Mordstahle derUberti erlag, war Florenz, von blutigen Parteihändeln zerrissen,die Stadt unversöhnlichen, von Geschlecht zu Geschlecht vererb-ten Hasses und wilder, unbezähmbarer Zwietracht. Die heißenKämpfe, die mit dem Siege der Medici endeten, hatten nur schein-bare Ruhe gebracht und den alten Groll nicht behoben, sondernbestärkt und vertieft. Je härter die Mittel waren, mit welchenCosimo und Lorenzo ihre Herrschaft erzwangen und festigten,desto bedrohlicher glomm das Feuer tödlicher Feindschaft unterder Asche, des leisesten Windes gewärtig, um zur alles versen-genden Brunst aufzulodern. Die Stadt der Wechsler und Geld-verleiher, der Krämer und Händler im großen und kleinen, warFlorenz auch die verschriene Stadt unersättlicher Habsucht undschamlosen Wuchers. Geiz, Neid und Hochmut brandmarkte schonDante als die Hauptlaster seiner Vaterstadt, und er verging fastvor Scham darüber, in der Hölle fünf Diebe aus Florenz angetrof-fen zu haben 38 . Namentlich war der Wucher in der Arnostadt vonalters her aufs stärkste entwickelt 39 . Wohl verbot die Kirche dasZinsnehmen; aber nicht einmal Geistliche und Ordensleute, ge-Ji^Jtlf schweige denn Laien kümmerten sich um ihre Vorschriften. Schon, im 11. bis 13. Jahrhundert betrug der übliche Zinsfuß meist 25%,belief sich mitunter aber auch auf 30, 45, 50, ja in einem Falle auf*~- 66%%; bis in späte Zeiten blieb die Höhe des Zinsfußes in Florenzeine ganz außerordentliche 40 . Vergeblich ward 1420 untersagt,mehr als 20% zu fordern. Vergeblich ließ man 1430 die Juden zu,in der Hoffnung, sie auf einen Zinsenbezug von 20% beschränkenund so einen Druck auf die christlichen Geldverleiher ausüben zukönnen, denn nun sogen Christen und Juden vereint ihren Opferndas Blut aus 41 . Freilich drohte die Kirche den Wucherern mit Ver-weigerung des kirchlichen Begräbnisses, es sei denn, sie hätten