CO SIMOS HÄRTE ______________________47
verwiesen wurde, aber auch nach Ablauf dieser Zeit nicht zurückkehren durfte, so daß er, zweiundneunzigjährig, in der Fremdestarb 14 . Viele wurden als Empörer erklärt, ihre Häuser und Be-sitzungen um geringes Geld an die Freunde der neuen Regierungverschleudert. Mit Vaterunsern, pflegte Cosimo zu sagen, könneman den Staat nicht regieren; besser sei eine verwüstete als eineverlorene Stadt 15 . Selbst diejenigen, die er nicht gerade in dieVerbannung jagte, aber doch seiner Macht für gefährlich hielt,mußten die harten Folgen seines nimmer ruhenden Argwohns aufsempfindlichste spüren. Er bediente sich der Steuerstaffelung alsfurchtbarer Waffe wider seine wirklichen oder vermeintlichenFeinde; während seine Anhänger nur leicht herangezogen wurden,wurden die ihm irgend Verdächtigen durch unerschwingliche Auf-lagen planmäßig zugrunde gerichtet. Während der ersten zwanzigJahre seiner Herrschaft bezahlten siebenundsiebzig Häuser nichtweniger als 4 875 000 Gulden an außerordentlichen, willkürlichauferlegten Steuern 16 . Einer der angesehensten, aber keineswegsreichsten Bürger, Gianozzo Manetti, der zu den ausgezeichnetstenGelehrten und Schriftstellern seiner Vaterstadt zählte, ein liebe-voller, durchaus unbescholtener Mann, der nie die Unwahrheitsprach und die wichtigsten Gesandtschaften und Staatsämter be-kleidet hatte, mußte nach und nach 135 000 Goldgulden bezahlen,da man ihm das, was er nach der Schätzung zu entrichten gehabthätte, hundertsechsundsechzigmal als Steuer auferlegte, so daß ersich schließlich, um dem vollständigen Zusammenbruche zu ent-rinnen, an die römische Kurie flüchtete 17 . Ähnlich ging es nichtwenigen anderen. Wer mit den Abgaben im Rückstande blieb,ward ins Gefängnis, in die Stinche, geworfen oder in die Verban-nung getrieben. Zweimal im Jahre zogen die Steuerboten umher,räumten die Häuser aus, nahmen die Ernten weg und zehrten dieLebensmittel auf 18 . So erhielt Cosimo seine Herrschaft und Macht,zog aber sich und seinem Hause den abgrundtiefen Haß vielerBürger zu, die innerhalb wie außerhalb des Vaterlandes nur aufdie Stunde der Vergeltung und blutigen Rache harrten. Cosimomochte die schönsten Altäre und Kirchen stiften; sie troffen vonFlüchen und Tränen. Mit fremdem Geld konnte er leicht Klösterund Kirchen bauen. In einer Nacht ward ihm die Haustüre mitBlut bemalt. Er ahnte es selbst, daß die Herrschaft seines Hausesnicht lange dauern werde. Er kenne die Gesinnung seiner Bürger,.