48 FLORENZ BEI ANKUNFT SAVONAROLAS
äußerte er, keine fünfzig Jahre würden vergehen, bevor man dieSeinen verjagte, aber seine Häuser würden bestehen 10 .
Schon sein schwacher Sohn Peter hatte, kaum zur Macht ge-langt, mit einer Verschwörung zu kämpfen, die zwar durch dieBesonnenheit seines Sohnes Lorenzo glücklich vereitelt, aber in-folge der durch sie veranlaßten Verbannung geachteter Bürgerzum Anlaß neuen Hasses und erweiterter Feindschaften wurde.Als Peter 1469 starb, hinterließ er zwei Söhne, von welchen derältere, Lorenzo, 20, der jüngere, Julian, 16 Jahre alt war.Glänzend begabt, von den besten Lehrern erzogen, schon mitjungen Jahren zu Gesandtschaften und den wichtigsten Staats-geschaffen verwendet, ein verschlagener Politiker schon als früh-reifer Jüngling, wandelte Lorenzo in den Spuren seines Groß-vaters, dem er an kühler Abwägung der politischen Lage wie anrücksichtsloser Durchführung der zum Vorteile seines Hausesdienlichen Maßregeln gleichkam, an künstlerischer Anlage über-legen war. In der furchtbaren Verschwörung der Pazzi kam derlange verhaltene Haß der Gegner zum sturmartigen Ausbruche 20 .' Der Anschlag war um so gefährlicher, als die Pazzi, den Mediciverwandt und befreundet, aber von Lorenzo soeben durch ein un-gerechtes Erbgesetz aufs heftigste gereizt, in Hieronymus Riario,dem ländergierigen Neffen Sixtus' IV., einen in der Wahl seinerMittel ebenso gewissenlosen wie gewaltigen Verbündeten besaßen.Wie den Pazzi, so standen die Medici den Rovere und Riario inder Verfolgung ihrer ehrgeizigen Pläne im Wege. Über de LeiberLorenzos und Julians hinweg sollte die Via triumphalis der Ver-schwörer führen, mit denen Sixtus IV. selbst im stillen Einver-nehmen stand. Am Sonntag, den 26. April 1478, kam das ruch-lose Verbrechen im Dome zu Florenz zur Ausführung. Das Zei-chen, das die heilige Wandlung verkündete, gab den Wink zumtückischen Morde, zwei Geistliche zückten den Mordstahl auf ihreahnungslosen Opfer. Allein der Anschlag mißlang. Zwar wardJulian erdolcht, Lorenzo jedoch entkam leicht verwundet. Einentsetzliches Strafgericht brach nun über die unglücklichen Pazziherein. Die Verschwörung, weit entfernt, die Medici zu stürzen,trug in Wirklichkeit nur zur Stärkung und Mehrung ihrer Herr-schaft bei. Wie schon Cosimo, so bediente sich auch Lorenzo derSteuerstaffel, um seine Gegner, soweit sie nicht im Zusammen-hange mit der Verschwörung der Pazzi dem Henker verfallen