42 FLORENZ BEI ANKUNFT SAVONAROLAS
Königen und Gelehrten aus allen Ländern um seine Vermittlungangegangen wurde, wenn es galt, wertvolle Bücher und Hand-schriften anzuschaffen. Im Augustinerkloster Heilig-Geist bildeteLudwig Marsigli, der Freund Petrarcas und Boccaccios, den ge-feierten Mittelpunkt eines auserlesenen Kreises humanistisch ge-richteter Männer, die sich unter seiner geistigen Leitung bald inseinem Kloster, bald in dem „Paradies" genannten Landhauseder reichen Alberti zu zwanglosen Unterredungen 2 über die bren-nendsten Fragen der Philosophie und Theologie 3 ebenso wie derklassischen Literatur versammelten (um 1389). Ebenso schartensich später im Kamaldulenserkloster Maria von den Engeln vorden Mauern der Stadt um den Ordensgeneral Ambros Traversaridie Spitzen der humanistischen Gelehrsamkeit, unter denen desHausherrn vertrautester Freund Niccolo Niccoli, der opferwilligeBücherschwärmer, den hervorragendsten Platz einnahm. Florenzwar die erste italienische Stadt, die nach vielen Jahrhunderten dieSprache Homers auf abendländischem Boden wieder zu Ehrenbrachte, indem sie den Rhetor und Philosophen Manuel Chryso-loras zum Lehrer der griechischen Sprache und Literatur bestellte.Hier verkörperte sich die schon von Petrarca neu entzündete Be-geisterung für die platonische Philosophie in der platonischenAkademie, die in Marsilius Ficinus ihren begeisterten Prophetenverehrte. Wie Florenz der wichtigste Absatz- und Sammelplatzder kostbarsten humanistischen Handschriften und Bücher war,so liefen hier auch die literarischen Fäden aller Länder zusammen.Musensitze waren auch andere italienische Städte; der Musen-sitz war doch nur Florenz.
Wie die gebildetste und fortgeschrittenste, so war Florenz diegewerbsamste und reichste Stadt Italiens 4 . Seit Jahrhunderten be-trieb sie einen äußerst schwunghaften Ausfuhrhandel mit Woll-und Seidenwaren, mit Schmucksachen in Edelmetallen sowie mitWaffen, dem eine nicht weniger lebhafte Einfuhr von Pelzen,italienischer und auswärtiger Wolle und rohen Tuchen entsprach.Dieser Handel umspannte nicht bloß die westlichen und nörd-lichen Länder des Mittelmeeres, Spanien, Portugal, Frankreich,Belgien, Flandern und besonders England und Schottland, wozahlreiche Mönchs- und Nonnenklöster schon seit dem 13. Jahr-hundert für florentinische Handelshäuser arbeiteten 5 . Er erstrecktesich bis nach Tunis, Marokko und Timbuktu im Innern Afrikas,