FLORENZ DER MUSENSITZ 41
bürgern, den Medici, Strozzi, Rucellai ihre schlicht vornehmenPaläste errichtet. Für die Taufkirche Johannes des Täufers hatteGhiberti die berühmten Türen gegossen, die von Michelangelo fürwürdig erachtet wurden, die Pforten des Paradieses zu bilden.Donatello hatte den Dom mit seinen vier Evangelisten, S. Lorenzmit seiner in der Kunstgeschichte unsterblichen Kanzel ausge-stattet, Luca della Robbia Kirchen, Spitäler und Bürgerhäusermit seinen entzückenden Blumengewinden und Engelsköpfen ausTon geziert. In S. Marco hatte Fra Angelico, der fromme Beter,die himmlischen Gesichter, die er in seliger Betrachtung geschaut,an die Wände gehaucht. Die Brancaccikapelle im Carmine, dieKirchen St. Maria Novella und Heilig-Kreuz, von Künstlern wieFilippino Lippi, Ghirlandajo und Giotto mit Fresken geschmückt,glichen eher erlauchten Kunstsammlungen denn Gotteshäusern.Und selbst wenn sich andere Städte anderer Kunstwerke rühmten,so barg Florenz in der Bibliothek von S. Marco ein Juwel, dasnirgends mehr seinesgleichen hatte, eine öffentliche Bücherei vonunermeßlichem Wert. Was diese Bücherei für Florenz, das warFlorenz für Italien, ja für die Welt, der Herd und Sammelpunktder neuerweckten humanistischen Studien 1 . Florenz war die Hei-mat der großen Männer, die ein neues Zeitalter anbahnten; Danteund Petrarca waren das strahlende Doppelgestirn, das über derArnostadt leuchtete. Was Homer den Griechen, das war Danteden Florentinern: Gegenstand feuriger Verehrung, unerläßlicherBestandteil aller höheren Bildung, im Dome auf Staatskosten vonden gefeiertsten Gelehrten öffentlich erklärt. Der reiche Same, denPetrarca mit seiner hinreißenden Begeisterung für die klassischeWelt ausgestreut hatte, war überall in Italien auf fruchtbarenBoden gefallen; aber so kräftige Wurzeln hatte er nirgends ge-schlagen wie in Florenz. Adelige und einfache Bürger, Staats-männer und Handwerker, Laien und Mönche gaben sich mit wett-eifernder Liebe den neuen Studien hin. Wie durch verschlageneStaatskunst, so waren die florentinischen Kanzler, Männer wieColuccio Salutato, Leonhard Bruni, Carl Marsuppini, Poggio Brac-ciolini durch den Prunk des lateinischen Stiles ihrer amtlichenSchreiben berühmt. In Vespasian da Bisticci besaß die Stadt den„König der Buchhändler für Italien und die anderen Völker", derüber eine so ausgebreitete Kenntnis der lateinischen, griechischenund selbst hebräischen Literatur verfügte, daß er von Päpsten,