DIE ORDENSSTUDIEN 33
der mit ihm angestellten Prüfung gemäß war er mit Rücksichtauf seine Vorbildung als Klerikernovize aufgenommen worden 68 ;nach Ablauf des Noviziats begannen die Studien, die ihn zumPredigtamte rüsten sollten. Denn Dominikaner werden, hieß Pre-diger werden, d. h. ein Verteidiger des Glaubens und ein Be-streiter der Ketzerei 80 . Kein Orden war so sehr wie der des heiligenDominikus auf die Predigt und um ihretwillen auf die Studienzugeschnitten; sie waren für jeden seiner Söhne Berufs- undStandespflicht. Jedes Kloster war zugleich Schule, jeder Priorhatte schon nach den alten Satzungen einen Lesemeister, Lektor,zur Seite. Ursprünglich waren in den Dominikanerschulen nurdie theologischen Studien zulässig 70 . Um ihrer Notwendigkeit zurVerteidigung des Glaubens und Widerlegung der Ketzerei willenwurden allmählich aber auch die sogenannten freien Künste nichtbloß gestattet, sondern auch vorgeschrieben, die ein zweijährigesStudium logicae und ein ebenso langes Studium naturalium um-faßten, in dem die naturwissenschaftlichen sowie die metaphy-sischen und ethischen Schriften des Aristoteles behandelt wurden 71 .Nicht in allen Klöstern fand philosophischer Unterricht statt,vielmehr waren in jeder Ordensprovinz gewisse Ordenshäuserhierfür bestimmt, in welche die studierenden Brüder dieser Pro-vinz gesandt wurden, um in den freien Künsten unterwiesen zuwerden. Wohl aber besaß jedes Kloster seine eigene theologischeSchule, wenn sie auch natürlich nicht überall auf der gleichenwissenschaftlichen Höhe stand. Kern und Stern der theologischenStudien war die Auslegung der Heiligen Schrift, die immer nur einembesonders tüchtigen, durch Gelehrsamkeit und lange Erfahrunghervorragenden Lehrer anvertraut wurde, der um seines Lehr-gegenstandes willen lector bibliae, um seines Vorrangesvor seinen theologischen Berufsgenossen willen aber lectorprincipalis, Hauptlesemeister, genannt wurde; seine Vor-lesung galt als die lectio ordinaria, der die erste Unter-richtsstunde des Tages vorbehalten war. Außer der Bibel wurdendie vier Bücher der Sentenzen- Peter des Lombarden erklärt; derErklärer hieß sententiarius, dessen Vorlesung als lectioextraordinaria gleichsam die systematische Ergänzung zur lectioordinaria des Hauptlesemeisters bildete. Endlich gab es nocheine Bibellesung, die sich auf die Ermittelung des Wortsinnes be-.'•schränkte, während in der lectio ordinaria auch der übertragene,
-3 Schnitzer, Savonarola