DER NOVIZE 31
Pflichten und Obliegenheiten bekanntgemacht wurden, die ihnenihr neuer Stand auferlegte. Sie wurden besonders im Altardienste,im Chorgebete und Kirchengesang unterwiesen und dazu angeleitet,sich im Verkehre mit ihren Oberen und Klostergenossen eines an-gemessenen Betragens zu befleißigen. Mit Studien sollten sie sich,vom grammatikalischen Unterrichte, der jugendlichen, ohneSchulbildung eingetretenen Brüdern erteilt wurde, abgesehen,nicht beschäftigen; nur auf die Abtötung des'Fleisches und De-mütigung des Geistes sollten sie bedacht sein und daher nur erbau-liche Bücher, wie die Leben der Ordensheiligen, die Schriften desheiligen Bernhard, des heiligen Vinzenz Ferrer und die Regelerklä-rung des Meisters Humbert zur Hand nehmen 51 . Zur Übung der De-mut wurden sie, wie es noch heutzutage geschieht 52 , zu den niedrig-sten Verrichtungen herangezogen; sie mußten abwechselnd bei Tischebedienen, anderen die Füße waschen, die Klosterräume säubernund die Aborte reinigen. Weit entfernt, sich durch all diese Be-schwerden abschrecken zu lassen, zeichnete sich Savonarola „al&süßester Wohlgeruch vor allen anderen" aus. Schon als Novizerang er um die „charismata meliora 53 ", „mied alle unziemlichenund müßigen Reden und schloß sich nur an solche Mitbrüder an,bei welchen er eine Vorliebe für Gespräche über göttliche Dinge,über die Heilige Schrift und ernste Gegenstände gewahrte 54 ".. Das Noviziat dauerte ein volles Jahr. Nach Ablauf dieser Frist,also Ende April oder anfangs Mai 1476, wurde Hieronymus zumfeierlichen Ordensgelübde zugelassen. Seinen Taufnamen hatteer als Ordensnamen beibehalten dürfen. Savonarola gehörte zuden starken Männern, die, was sie sind, ganz sein wollen, mitvoller Seele und mit ungeteiltem Herzen. Die Ablegung des Ge-lübdes war für ihn keine leere Förmlichkeit. Er war sich derschweren Verpflichtungen, die er damit übernahm, klar bewußtund fest entschlossen, ihnen gewissenhaft nachzuleben. Und diesenEntschluß führte er mit zäher Beharrlichkeit und eiserner Willens-kraft durch bis zum Tode. Schon als Novize hatte er sich davonüberzeugt, daß es um die Ordenszucht, um derentwillen dasKloster S. Dominikus zu Bologna so gerühmt ward, schlecht be-stellt war; schon damals ärgerte er sich über die Lauheit so vielerMitbrüder 55 . Indem er das Leben der alten Väter und ägyptischenEinsiedler, wie es der heilige Hieronymus in seinen Biographien undJohann Cassian in seinen „Gesprächen", „Collationes", geschildert