2 Ö DER EINTRITT INS KLOSTER
Schwierigkeit verursachte immer wieder die von der Regel gefor-derte völlige Armut. Raymund von Capua griff neuerdings auf diealten Ordenssatzungen zurück und verpönte allen Besitz, gemein-samen ebenso wie besonderen. Seine Anordnung stieß jedoch inweiten und einflußreichen Kreisen des Ordens auf hartnäckigenWiderstand. War ja doch ein guter Teil der Brüder, die Kon-ventualen, wie sie nach dem Vorgange der ganz von denselbeninneren Nöten bedrängten Franziskanern um der von ihnen be-wohnten palastähnlichen Klöster, Konvente, willen benannt wur-den 24 , nicht einmal zum Verzichte auf den Einzel-, geschweige aufden Gemeinbesitz zu bewegen, so daß sich die Anhänger einermittels der Reform durchzuführenden strengeren Observanz, dieObservanten, im Bestreben, zu retten, was zu retten war,und wenigstens mit dem anstößigen Sonderbesitze aufzuräumen,zum Zugeständnisse herbeiließen, den Gemeinbesitz zu ge-statten. Die Vollmacht, deren sie hierzu bedurften, wardihnen vom Heiligen Stuhl unschwer bewilligt. SixtusIV. erteilte demOrden in der Bulle „Considerantes" vom 1. Juli 1475 die Ermäch-tigung zum Erwerbe liegender Güter und fester Einkünfte 25 ; seitGründung des Ordens war keine Bestimmung getroffen worden,die dem Geiste und Willen des Stifters so sehr widersprochenhätte 26 . Somit ließen sich im Predigerorden drei verschiedeneRichtungen unterscheiden. Zur ersten zählte die geringe Scharder Freunde einer strengen Reform im Sinne der altenRegel, Männner wie Raymund von Capua, Konrad von Preußenund Johannes Dominici. Zur zweiten gehörte die viel größereZahl der Konventualen, die es bei den geschichtlich ent-wickelten Verhältnissen ließen und Sonder- wie Gemeinbesitz dul-deten. Die dritte bildeten die Observanten, die zwar denSonderbesitz verdammten, den Gemeinbesitz aber auf Grund päpst-licher Genehmigung festhielten. So geschlossen sie im Kampfewider ihren gemeinsamen Gegner, die strengen Reformfreunde,zusammenhielten, so heftig pflegten sich die Konventualen undObservanten untereinander zu befehden, obschon sie sich sachlichvielfach so nahe berührten, daß die Grenzlinien kaum noch zu be-merken waren. Denn da es verschiedene Grade wie des Konven-tualismus, so des Observantismus gab und frommen, sittenstrengenKonventualen 27 auch laue Observanten gegenüberstanden, so konnteman zweifeln, ob nicht schließlich ein ehrlicher Konventualismus