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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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VERWELTLICHUNG DES ORDENS 27

waren denn auch viel weniger ängstlich und ließen sich die ver-schiedenen Erleichterungen gerne gefallen, die dem Orden aufdem Wege päpstlicher Nachsicht zuteil wurden. So wurden derOrdenszucht die schwersten Wunden geschlagen; und das Übelwurde durch die argen Verheerungen noch verschlimmert, dieeinerseits die furchtbare Pest um die Mitte des 14. Jahrhunderts,andererseits die große Kirchenspaltung wie im Leben der Gesamt-kirche, so in allen Orden und auch unter den Predigern anrich-tete 16 . Mit Grauen blickte der Ordensmeister Leonhard Dati ausFlorenz (14141425) auf die weitverbreiteten, schweren Miß-bräuche hin, an denen der Orden krankte. Der Gehorsam, soklagte er auf dem Generalkapitel zu Metz (1421), hat sich in Un-botmäßigkeit, die Armut in das Laster des.Besitzes verkehrt, dieKeuschheit wird vielfach verletzt, das Fasten hat schwelgerischenGelagen Platz gemacht, schlechtes Beispiel, ärgerlicher Wandel,freches Benehmen, Unkenntnis der Heiligen Schrift, Ehrgeiz undStellenjägerei haben überall um sich gegriffen 17 . Die zahllosenVerbote, welche die Ordenskapitel immer wieder gegen die Zulas-sung verdächtiger Frauenspersonen in die Zellen der Brüder, gegendie Beschäftigung mit Handel und Wucher, gegen simonistischeVerleihung der Ordensämter, gegen die Vernachlässigung des ge-meinsamen Chorgebetes und Tisches wie gegen die Veranstaltungbesonderer Mahle auf den Zellen erlassen mußten 18 , bewiesen un-widerleglich, daß jene Klagen nur allzu berechtigt waren. Wohlfehlte es nicht an gewissenhaften Ordensmännern, die sich umeine Reform der tiefgesunkenen Ordenszucht abmühten und demeingerissenen Verderben zu steuern trachteten. In Deutschlandwar es der fromme Bruder Konrad von Preußen 19 (f 1426), derim Kloster Kolmar mit seinen Gesinnungsgenossen der strengenRegel des heiligen Dominikus nachzuleben begann; und seinFreund und Jünger Franz von Retz 20 (f 1427) huldigte in Wien den-selben Bestrebungen. In Italien erwuchs der Reform in dem Flo-rentiner Johannes Dominici (f 1419) ein tatkräftiger Förderer 21 ,der, von Ordensgeneral Raymund von Capua 22 (13801400) nach-drücklich unterstützt, in verschiedenen italienischen Städten klö-sterliche Siedelungen begründete, in welchen der alte Geist desheiligen Dominikus zu neuem Leben erblühen sollte. Allein zu tiefhatte die Verweichlichung im Orden Wurzel geschlagen, als daßsich diese Reform hätte allgemein durchführen lassen 23 . Die größte