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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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22 GROSSVATER UND ENKEL

in solchen Dingen darf man sich eben nicht von fleischlichenRücksichten leiten lassen. Fiel es doch auch mir sehr schwer,mich von Euch zu trennen! Ihr dürft es mir glauben, in mei-nem ganzen Leben verursachte mir noch niemals etwas so her-ben Schmerz, als mein eigenes Blut zu verlassen und zu frem-den Leuten zu gehen, um meinen Leib Christo zum Opfer zubringen; aber da Gott mich nun ruft, so hätte ich es niemals ge-wagt, seiner Einladung zu widerstehen. Ihr jammert um mich,ich weiß es wohl, daß ich so heimlich von Euch fortging undgleichsam floh; wisset aber, der Abschied von Euch fiel mir soschwer, daß er mir das Herz zerrissen und mich in meinem Vor-haben wankend gemacht hätte. Darum, lieber Vater, beendetEure Klagen! Mein Entschluß wäre unwiderruflich, selbst wennich (in der Welt) größer als Cäsar werden könnte. Die Tage desersten frischen Schmerzens gehen bald vorüber, dann aber folgtTrost in dieser und herrlicher Lohn in der anderen Welt. Tröstetbesonders meine Mutter und gebt mir beide Euren Segen!"

Der Brief war natürlich nicht imstande, die Tränen der Elternzu stillen. Sie vermochten sich zur Höhe der Selbstüberwindungnicht aufzuschwingen, die der Großvater den Eltern Johannes desTäufers nachrühmte, indem er von ihnen schrieb, daß sie sichtrotz anfänglicher Trauer über den Entschluß ihres Kindes schließ-lich freuten,wie es alle Eltern tun sollten, wenn ihre Kinder insKloster gehen". Als ihr Sohn erfuhr, daß sie noch immer klagtenund weinten, machte er ihnen ob ihrer blinden Trauer in einemunwilligen Schreiben herbe Vorwürfe, da sie nunmehr durch ihrenhartnäckigen Widerstand gegen seinen Beruf und sein ewiges Heilseine Todfeinde geworden seien, von welchen das Wort gelte:Weichet von mir alle, die ihr Gottlosigkeit wirket! Erröten sollenund zuschanden werden alle meine Feinde!" (Ps. 6, 9 f.) Vielmehrsollten sie sich, da die Seele wertvoller sei als der Leib, darüberfreuen, daß Gott ihn, der Arzt für den Leib werden wollte, zumSeelenarzte erkoren habe 115 . Auf das liebende Mutterherz freilichmachten derlei mönchische Trostgründe keinen Eindruck. Nochjahrelang weinte Helena um ihren Sohn 115 . Dieser verharrte je-doch unbeugsam bei seinem Berufe, in der Hoffnung, sie werdesich mit der Zeit wieder beruhigen.Meine Mutter", sagte erspäter selbst 117 ,weinte etliche Jahre. Ich ließ sie weinen. Genug,daß sie nunmehr einsehen wird, wie unrecht sie hatte."