Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
21
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DIE FLUCHT AUS DEM ELTERNHAUSE

frau Maria. Schwestern werde ich im Kloster mehr als zuvorhaben, und auch an einer Mutter wird es mir nicht gebrechen, undso werde ich mittels der göttlichen Gnade reinen Herzens leben.Leb' wohl, Vater! Lebt wohl, Eltern! Lebt wohl, Freunde undBekannte! Lebt wohl, ihr irdischen Bräute alle! Lebet in Friedenund bleibet gesund! Ich ziehe mich zurück ins Haus meines Got-tes, betet zum gütigen Jesus, er möge mir Beharrlichkeit ver-leihen!" In seinem Schreibpulte fand sich auch ein Schriftstückin lateinischer Sprache von seiner Hand, das sich zunächst durch-aus in den Gedankengängen des Gesanges „Vom Ruine der Welt"bewegte, dann aber in einem sinnlosen Gestammel unzusammen-hängender, hauptsächlich auf den Auszug aus Ägypten bezüg-licher Stellen aus dem alten Bunde sich verlor und von der maßlosenAufregung deutliche Kunde gab, in der sich der Verfasser be-fand 112 . Wenige Tage später erhielten die bekümmerten Elterneinen vom 25. April gefertigten Brief aus Bologna von der Handihres Sohnes, worin sie dieser in ihrem herben Schmerze zu trö-sten und über den Grund, der ihn zur Flucht aus der Heimat undaus der Welt bewogen habe, aufzuklären suchte 113 . Dieser Grundaber sei „das große Elend der Welt, die Ungerechtigkeiten derMenschen, die Unzuchtssünden, die Ehebrüche, die Räubereien,der Hochmut, der Götzendienst, die furchtbaren Gottesläste-rungen". Niemand sei mehr, der Gutes tue; weinend habe er darummehrmals des Tages mit dem Dichter gesprochen: „Heu fugecrudeles terras, fuge littus avarum 1 "". Die große Bosheit der ver-blendeten Völker Italiens habe er nicht mehr mit anzusehen ver-mocht; das sei ihm eine ganz unerträgliche Qual gewesen. Sohabe er denn unaufhörlich mit größter Andacht zu Gott gefleht:„Tue mir kund den Weg, den ich wandeln soll, denn zu dir erhobich meine Seele." (Ps. 142, 8.) „Hätte ich mich nun", fährt erfort, „nicht einer groben Undankbarkeit schuldig gemacht, wennich der an mich ergangenen göttlichen Weisung keine Folge ge-leistet hätte? Nein, mein Jesus, lieber tausendmal den Tod, alseine Undankbarkeit gegen dich! So habt denn auch Ihr, liebsterVater, viel eher Grund, Jesu zu danken, als zu weinen, der EurenSohn bis zu seinem 22. Lebensjahre so wohl erhielt und sich nunwürdigte, ihn zu seinem Ritter zu schlagen. Erachtet Ihr es dennnicht für eine große Gnade, einen Ritter Christi zum Sohne zuhaben? Wohl geht dies nicht ohne sinnlichen Schmerz ab; aber