Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

DER BRUCH MIT DER WELT ________________ig

frommt es, die Waffen zu zücken,du weine und schweige, dasscheint mir das Beste".

Wer sich in Gedanken quälte, wie sie in diesen Gedichten zumAusdrucke kamen, der bewegte sich nicht mehr auf dem Bodendieser Welt, sondern hatte den Bruch mit ihr innerlich bereits voll-zogen und mußte ihn über kurz oder lang auch äußerlich vor-nehmen.Nachdem ich mich", so berichtete er später selbst 101 ,einige Zeitlang philosophischen Studien gewidmet hatte, begannich im stillen bei mir selbst zu erwägen, wie wir uns allzeit um vielunnötiges Zeug abmühen, viele nützliche und nötige Dinge abervernachlässigen. Da ich nun beherzigte, daß wir unaufhörlich un-gestüm dem Tode zueilen, beschloß ich, alles andere hintanzu-setzen, mir das Ende des Menschen vor Augen zu halten und michaus allen meinen Kräften darauf vorzubereiten. Und obschon icham Glauben nicht zweifelte, so fing ich doch, um mich in ihn zuvertiefen, die Gründe genauer zu erforschen an, mittels deren ersich erhärten und verteidigen läßt, und fand sie durch göttlicheEingebung so stark und zwingend, daß sie mir auch ohne über-natürliches Licht über jeden Zweifel erhaben schienen. Durch Got-tes Eingebung begann ich nun, alle irdischen Dinge zu verachten.Eine unwiderstehliche Sehnsucht nach dem himmlischen Vater-lande entbrannte in meinem Herzen, ich beschloß, mich meinemHerrn Jesus Christus gänzlich zu weihen. Im Bewußtsein, auf demAcker des Herrn einen kostbaren Schatz gefunden zu haben, ver-kaufte ich alles, was ich besaß, und kaufte den Acker 102 ." Wohlhatte er es tausendmal verschworen, ins Kloster zu gehen. Aberselten kennt der Mensch sein eigenes Herz, und schon die heftigeBestreitung dieses Gedankens verriet deutlich genug, welch' großeMacht er über seine Seele besaß. Ein nächtlicher Traum gab denAusschlag. Es war ihm, als ergieße sich eiskaltes Wasser über sei-nen Leib, so daß er erwachte, und nun unter dem frischen Ein-drucke dieses Erlebnisses die Welt zu verlassen beschloß 103 . EinePredigt, die er zu Faenza in der Kirche St. Augustin aus dem Mundeeines Augustinermönches vernahm, vollendete alles. Damals fühlteer sich durch ein Wort getroffen, das ihm nach Jahren noch aufder Seele brannte und keine Ruhe mehr weder bei der Mahlzeitnoch auf dem nächtlicher Lager ließ, bis er binnen JahresfristMönch war 104 . Schwer genug fiel ihm der Abschied von dieser Welt,so sehr er sie verabscheute. Er hing mit heißer Liebe an seinen