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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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GROSSVATER UND ENKEL

stapfen der großen griechischen und arabischen LehrmeisterHippokrates, Aristoteles, Galen und Avicenna, wenn er auch keinblinder Nachbeter seiner Gewährsmänner war und in manchenPunkten eine etwas freiere Richtung einschlug 30 . Vom ärztlichenBerufe hegte er eine hohe Auffassung. Der Arzt bekleidete inseinen Augen eine Art priesterlichen Amtes und sollte daher überein reifes Wissen, ein keusches Auge, eine schamhafte Zunge undeinen reinen Sinn verfügen, ein eifriger Pfleger der Religion undLiebhaber der Menschen sein und namentlich den Armen gernezu Hilfe eilen. Nur einen Mann, der sich ebenso durch Wissen-schaft, Erfahrung und Geschicklichkeit, wie durch aufrichtigeGottesfurcht auszeichne, solle man sich, so riet er selbst 31 , zumArzte auswählen. Und den Anforderungen, die er an anderestellte, entsprach er auch selbst. Bianca, eine Tochter des Mark-grafen Nikolaus, die Gattin Galeottos von Mirandola, des Brudersdes berühmten Philosophen, die in ihrer Jugend von ihm ärztlichbehandelt worden war, teilte später ihren Kindern mit, MeisterMichael seiein ungemein frommer" Mann gewesen, der denArmen seine Hilfe unentgeltlich angedeihen zu lassen pflegte 32 .Seiner akademischen Würde als Meister der freien Künste ein-gedenk, bewahrte er den philosophischen Fragen und Studienzeitlebens seine Neigung und erwarb sich eine zu jener Zeit aller-dings nicht ungewöhnliche Vielseitigkeit des Wissens, die sich überdie beschränkte Fachgelehrsamkeit seines ärztlichen Berufes weiterhob. Er kannte Plato, soweit er damals durch lateinische Über-setzungen weiteren Kreisen zugänglich war; in den Schriften desAristoteles aber war er schon von seinen medizinischen Studienher vollends beschlagen. Er war in Cicero und Seneca, in Virgil,Ovid, Terenz und Juvenal belesen und liebte es, seine Schriftenmit Stellen aus den alten Klassikern auszuschmücken; auch Danteund Petrarca waren ihm nicht fremd. Gleichwohl war er keinHumanist. Nicht die gefällige Form und der blendende Stil, son-dern die Sache, der Inhalt lag ihm am Herzen. So zog er denn dieBücher allen anderen vor, in welchen Gott selbst zu den Men-schen sprach. Mit den biblischen Schriften war er in einer Weisevertraut, wie dies nur auf Grund einer langen, unausgesetzten Be-schäftigung möglich war. Biblische Aussprüche führte er beson-ders in seinen religiösen und moralischen Abhandlungen bei jederGelegenheit an. Aber auch an den heiligen Vätern und Kirchen-