Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
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MICHAEL SAVONAROLAS FROMMER SINN 7

Schriftstellern hatte er seine Freude. Auf sie berief er sich, wo ernur konnte, und nicht etwa nur die hellen Leuchten der erstenchristlichen Jahrhunderte, ein Ps.-Dionysius, Ambrosius, Augustin,Hieronymus, Chrysostomus und Gregor der Große, waren die Ge-währsmänner, auf die er baute, sondern auch die großen Lehrerdes Mittelalters, namentlich der heilige Bernhard, aber auch diescholastischen, von den Humanisten so mißachteten Theologen,wie Peter der Lombarde, Albert der Große und ganz besonders derheilige Thomas von Aquin, galten ihm als unerschütterliche Säulender Wahrheit. Seiner politischen Richtung nach war Meister Mi-chael Weife. Unter Anlehnung an die Schrift des großen Augu-stinertheologen Ägidius von Colonna (f 1316)De regimine prin-cipum 33 " bezeichnete er die Erbmonarchie als die den Völkernzuträglichste Regierimgsform. Daß die staatliche Gewalt derkirchlichen, die kaiserliche der päpstlichen unterworfen seinmüsse, hielt er für selbstverständlich, wie er sich auch den altenhildebrandinischen Grundsatz zu eigen machte, die päpstlicheWürde könne nur einen Heiligen zum Träger haben, wozu siedaher ihren Inhaber mache, wenn er es nicht schon bei der Er-hebung sei 34 . In der Wunderwelt der Bibel und der mittelalter-lichen Heiligenlegenden herangewachsen, war er ein Mann kind-licher Leichtgläubigkeit, der Amuletten, Verhexungen und sonsti-gem Aberglauben größten Einfluß auf das körperliche Befindeneinräumte und nicht daran zweifelte, daß einst der heilige Pros-docimus, der Schirmherr von Padua, angeblich ein Schüler desheiligen Petrus, die Stadt und Umgebung im Nu (ad nutum) be-kehrt habe; daß sich die selige Nonne Helena, sobald dem Volkeein Unheil drohe, im Grabe umdrehe; und daß auch die übrigenin Padua beigesetzten Heiligen die Bevölkerung durch lautesSeufzen auf etwaige Gefahren aufmerksam machten 35 . Obwohl erbereits in die Zeit hereinragte, die mit Laurentius Valla die wissen-schaftliche Kritik eröffnete, so stand er noch ohne Wanken mitbeiden Füßen auf dem Boden der kirchlichen Überlieferung, alsderen echter Sohn er sich in seiner ausgeprägten Vorliebe fürreligiöse und theologische Dinge bewährte. In den erbaulichenSchriften aus der letzten Zeit seines Lebens erscheint er nicht bloßals frommer Christ, sondern geradezu als strenger Büßer, undnicht den vielbeschäftigten Leibarzt eines genußfrohen Fürsten-hofes der Renaissancezeit, sondern den weltentrückten Insassen