Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
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MICHAEL SAVONAROLA ÜBER PADUA

war ein Mann der neuen Zeit, der, soweit er sich nicht in seinenJagden und Wäldern verlor, durchaus im Banne des frisch auf-leuchtenden Gestirns der humanistischen Studien und ihres be-geisterten Apostels Guarino stand und für einen Mann vom alt-modischen Schlage Michaels wenig Verständnis besaß. So saher sich nicht bloß um einen anderen Leibarzt um, sondern nahmauch eine erhebliche Schmälerung am Gehalte Michaels vor 1 ',und wenn er ihn auch nicht aus seinen Diensten entließ, so will-fuhr er doch bereitwillig seiner Bitte, ihm mit Rücksicht auf seinzunehmendes Alter die nötige Muße zu schriftstellerischer Tätig-keit zu gewähren, indem er seinen ärztlichen Wirkungskreis amHofe auf seine eigene wie auf die Person seines Bruders Borsound auf die Fälle beschränkte, in welchen er auf besonderenWunsch des Herrschers gerufen würde 15 . Zugleich gewährte erihm und seinen Nachkommen das Nutznießungsrecht eines Zehn-ten auf zehn Jahre ein Pflästerchen auf die schmerzhafteWunde der jüngst verfügten Gehaltsverminderung. Unter solchenUmständen war es kein Wunder, wenn Meister Michael mit stil-ler Wehmut der paduanischen Heimat gedachte. Das Heimwehnach der Vaterstadt spricht aus jeder Zeile seiner 1446 verfaßtenSchriftÜber die prächtigen Zierden der könig-lichen Stadt Padu a 16 ". Mit überschwänglichen Wortenpries er die Schönheit ihrer Lage, die große Zahl der hier in herr-lichen Grabmälern beigesetzten Heiligen und bedeutenden Männer,die Menge schöner Kirchen und Klöster, den Ruhm der um sieverdienten Gelehrten und Künstler, und trug kein Bedenken, Pa-dua für die schönste Stadt Italiens zu erklären, nur Rom undVenedig ausgenommen, nicht aber Florenz, das nur beim erstenAnblicke fessele. Vielleicht wäre Savonarola nach Padua wiederzurückgekehrt, hätte ihm nicht Borso, der 1450 seinem BruderLionello in der Herrschaft gefolgt war, verschiedene Beweise huld-voller Gesinnung gegeben. Borso, von Kaiser Friedrich III. zurherzoglichen Würde erhoben, ein prachtliebender, der humanisti-schen Bildung barer Fürst, der seine Gunst gerne an unwürdigeSchmarotzer und feile Spaßmacher vergeudete 17 , war es wohl,der den Papst Nikolaus V. bewog, den greisen Gelehrten in denRitterorden vom Heiligen Grabe aufzunehmen, indem er ihn zu-gleich von den Gelübden entband, die mit dem Eintritte in denOrden verbunden waren 18 . Trotz oder vielleicht infolge solcher1*