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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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GROSSVATER UND ENKEL

Hofarzte ausersehen wurde. Es fiel ihm gewiß nicht leicht, invorgerücktem Lebensalter ein reich gesegnetes Wirkungsfeld zuverlassen und aus dem Kreise seiner Verwandten, Berufsgenossenund Schüler zu scheiden. Aber die lockende Aussicht auf einesichere Versorgung für sich und seine Angehörigen, wie sie ihmam Hofe der Este winkte, überwand alle Bedenken; denn schonvon Nikolaus III. galt, was einem späteren Este nachgerühmtwurde, sein Stolz sei es gewesen, daß in Ferrara den Soldaten ihrSold, den Professoren der Universität ihr Gehalt immer auf denTag ausbezahlt wurde 8 . Unter dem 23. Juni 1440 ward er in denListen der Universität Padua das letztemal aufgeführt; am 7. Sep-tember desselben Jahres war er bereits in Ferrara und erhielt dieBestallung als Leibarzt des Markgrafen mit einem jährlichen Ge-halte von 400 Golddukaten, wozu noch außerordentliche Zulagenan Geld und Getreide traten". Auch an der von Nikolaus III. neu-begründeten und auf jede Weise geförderten ferraresischen Hoch-schule, an welcher der berühmte und allverehrte Humanist Bap-tist Guarino aus Verona eine ungemein erfolgreiche Wirksamkeitentfaltete, war Meister Michael tätig 10 . Ein harter Schlag war esfür ihn, daß Markgraf Nikolaus schon 1441 starb 11 . Zwar entzogihm sein Sohn und Nachfolger Lionello die Gunst, die ihm seinVater so reichlich zugewandt hatte, nicht, sondern verlieh ihmam 28. Januar 1443 in ehrenvollen Ausdrücken für seine Personwie für seine Nachkommen das ferraresische Bürgerrecht 12 . Aberes fehlt doch nicht an Anzeichen dafür, daß sich der Paduaner inseiner neuen Stellung und Umgebung nicht ganz behaglich fühlte.Am wenigsten befriedigte ihn seine Lehrtätigkeit an der Univer-sität. So sehr die ferraresische Hochschule ihre paduanischeSchwester unter Guarinos verständiger Leitung im Buhme huma-nistischer Wissenschaft überstrahlte, so weit stand sie hinter ihrin den übrigen Fakultäten, besonders in der medizinischen, zu-rück, die sich noch in den kümmerlichsten Verhältnissen be-wegte; schon nach wenigen Jahren gab daher Meister Michaelseine Wirksamkeit an der ferraresischen Hochschule auf 13 . Aberauch an die schwüle Luft des Hoflebens vermochte er sich nichtzu gewöhnen. In Padua hatte es keinen Hof gegeben; und derGelehrte war schon zu alt, seine ganze Geistesrichtung zu ernstund tief, als daß er an dem hohlen Getriebe wohldienerischerHöflinge Geschmack hätte finden können. Markgraf Lionello aber