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Der Grund des thaleinwärts folgenden Schwemmbodens von Zwiesel-stein liegt daher unter dem Niveau der Schwelle, über die der Oetz-thaler Ferner in das Söldener Becken eindrang, und muss nach demRückzuge des Eisstromes auf lange Zeit unter Wasser gesetzt wordensein l ). Die Bäche von Gurgl und Vent füllten den See allmählichaus und wurden sodann durch die Beseitigung der glacialen Schwelleund durch die fortschreitende Vertiefung der Kühtrainschlucht be-fähigt, ihren eigenen Geschiebegrund anzuschneiden. So entstand jeneniedrige, mehrfach abgestufte Terrasse, auf welcher sich in einer Höhevon nicht ganz 1500m das Dorf Zwieselstein ausbreitet 2 ).
In der Zwieselsteiner Au vereinigen sich die beiden Qnellbächeder Oetzer Ache. Der westliche, welcher das Venter Hochthal erodierte,ist dem östlichen an Wassermasse und daher auch an Arbeitskraftso weit überlegen, dass das Gurgler Thal über einer 100m hohenStufe ausmündet, deren Stirn vom Gletscher abgeschliffen und nachhervom Bache entzwei gesägt wurde. Hat man diese Ausgangsstaffelerklettert, so führt der Weg an der Mündung des Timblthales vorbeiüber Halden und haldenartige Schuttkegel zu einem etwa 60 m hohenFelsriegel, auf dessen Rundhöckern die Häuser von Pillberg stehen.Hinter dem Walle, in den der Bach eine enge, steile Klamm ein-schnitt, thut sich das glaciale Becken von Angern oder Untergurglauf. Dann folgen zwei ansehnliche Schuttkegel, die in der Mitte desThaies zusammentrafen und das kleine Becken von Poschach ab-dämmten. Hinter Posebach endlich beginnt die grossartige Rundhöcker-landschaft von Obergurgl. Alle die bezeichnenden Oberfiächenformen,
') Wie in Antholz, so lässfc sich auch im Oetzthale aus den Flur- undOrtsnamen nachweisen, dass die Seen des Thalgrundes erst in historischer Zeitzugeschüttet und in wohnliche Böden verwandelt wurden. — Vgl. Steuh, Zurrätischen Ethnologie, S. 141, 145; und: Zur Namens- und Landeskunde der deut-schen Alpen, S. 21—27. — Eine alte Siedelstätte war nur das Gebiet von Oetz.Hier stechen unter den archaistischen Namen insbesondere drei hervor: Sautens,Oetz und Hahichen. Sautens soll nach Steuh rätischen Ursprungs sein. Oetz(im 12. Jahrhundert urkundlich Ez) ist wohl vom deutschen äz, Weide, abzuleiten.Habichen endlich, dessen Etymon nach unserem Gewährsmanne auf einen Habicho(Hadbert) als r\pu>q enü)Vj|j.o? hinweist, wäre ein Ausläufer der altdeutschen Nieder-lassungen im Oberinnthale (Roppen, Haimingen, Miemingen, Flauerling u. s. w.). —Von Habichen bis Zwieselstein kommen nur deutsche Ortsnamen deskriptiver Natur,wie Au, Ried, Längenfeld, Platten, Brücken u. a., vor, deren Träger erst in späterZeit, wahrscheinlich nach dem 11. Jahrhunderte, entstanden. Der rätischen Ur-bevölkerung Tirols und auch den Romanen, welche doch die benachbarten Thälervon Kauns, Pitz, Sellrain und Stubai besiedelten, waren die Becken von Umhausen,Längenfeld, Sölden und Zwieselstein verschlossen — gewiss nur aus dem Grunde,weil sie damals noch Seen beherbergten. Erst hinter Zwieselstein, im Thalastevon Vent, treten romanische Berg-, Flur- und Ortsnamen auf. Stablein = stavellino,Stall; Ramol = rio malo; Rofen = roven, Rain; Virmisan = val mezzana;Vernagt = val de nocte; Marzell = marezella, kleiner Schuttboden, u. s. w.Diese von Steub entzifferten Namen dringen aus dem vormals ganz romanischenSchnalser Thale herüber und beweisen, dass der Hintergrund des Oetzthales nichtvon unten her, sondern über das Hoch- und Niederjoch besiedelt wurde. Für dieseAnnahme spricht übrigens auch der Umstand, dass die Gemeinde Vent bis zumBeginne unseres Jahrhunderts gerichtlich und kirchlich zum Vinstgaue gehörte.
2 ) Da die Terrasse das Bachbett nur um einige Meter überragt, kann mandie Niederlassung füglich noch zu den Becken-Siedelungen rechnen.