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Die Betrachtung der Terrassen-, Leisten- und Hang-Siedelungenführte uns wiederholt den Einfluss vor Augen, den die grossen Gletscherder Vorzeit auf die Bewohnbarkeit der Alpenthäler ausübten. DieHinterlassenschaft dieser mächtigen Eisströme ist es, der die glacialenGeschiebeterrassen und die sanfter geböschten Hänge so vieler Thälerihre Fruchtbarkeit und ihre dichte Bevölkerung zu danken haben.Doch mit dem Auftragen der Grundmoränen war die ökonomischeWirksamkeit der alten Gletscher noch nicht erschöpft. Das strömendeEis förderte die Besiedelung der Hochthäler auch dadurch in erheb-lichem Masse, dass es seinen Untergrund, also sowohl den Thalbodenals auch die Thalwände, nicht gleichmässig, nicht zu ebenen Flächen,sondern zu schildförmigen Höckern abschliff. Man ist übereingekom-men, solche „Kundhöcker" als präglaciale Erhebungen aufzufassen,welche von den Gletschern nicht aus dem Wege geräumt, sondern nurpoliert und abgerundet werden konnten. In manchen Fällen, insbe-sondere dort, wo sich wirklich eine geglättete Stoss- und eine rauheKehrseite unterscheiden lässt, mag diese Erklärung zutreffen. Dochwie müssten unsere Alpenthäler, wie müsste z. B. der wellige undhöckerige Grund, der sich unterhalb der Zunge des Gepatsch- unddes grossen Gurgler Ferners ausbreitet, vor der Vergletscherung aus-gesehen haben, wenn alle die dicht gescharten Rundbuckel in der Thatnur die Ueberreste abgeschliffener Thalberge wären!
An den Seitenwänden, soweit sie einst vom Eise bearbeitetwurden, und auch in den unteren Abschnitten der Thäler trägt derFelsgrund, wo immer er aus der Hülle der jüngeren Geschiebe- undSchuttablagerungen emportaucht, dieselben bezeichnenden Formen zurSchau wie im Ursprünge der Thäler, wo er in den letzten Jahrendurch den Rückzug der Gletscher unter unseren Augen blossgelegtwurde. Durch die Verwitterung und durch die Arbeit des rinnendenWassers können wohl vereinzelte Vorsprünge und Fallkuppen der Ge-hänge, sowie vereinzelte Thalberge vorgezeichnet worden sein, niemalsaber ganze Scharen dicht aneinander gedrängter Kuppen. Darumlässt sich auch die Mächtigkeit der diluvialen Eisströme von den Thal-wänden so leicht ablesen. Bis zu einer bestimmten Höhe sind dieGehänge, insbesondere die steil herabziehenden Seitengrate und Kamm-rippen durchweg gebuckelt; darüber hinaus aber nimmt man wederRundhöcker wahr noch orographische Vorbedingungen zur Herstellungsolcher Formen durch eine künftige, höher reichende Vereisung. Esmuss demnach in der Eigenart der Gletscherbewegung und der Gletscher-erosion liegen, dass der Felsgrund nicht flach abgehobelt, sondern zubreitscheiteligen Kuppen gedrechselt wird. Die Rundhöcker ent-sprechen Stellen gemässigter, ihre Zwischenräume Stellen gesteigerterErosion. Die ungleiche Widerstandsfähigkeit des Gesteins, auf dieman sich so gern beruft, ist wohl nur äusserst selten zur Erklärungheranzuziehen. Wer je einen alten Gletscherboden untersuchte, wirddie Ueberzeugung gewonnen haben, dass hoch und hart, sowie tiefund weich nicht zusammenfallen, dass die Rundhöcker auch aus Ge-steinen von gleichbleibender Härte herausgemeisselt werden.
Becken, d. h. ausgedehntere und tiefere Zwischenräume zwischen