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Da die Sohle der Hochthäler von der Mündung weg gewöhnlichrasch ansteigt, durchschneidet sie sehr bald den Höhengürtel der Hang-Siedelungen , so dass diese auf den Ausgang oder wenigstens auf dieuntersten Abschnitte der Thalfurchen beschränkt bleiben. Die Seiten-wände des Pitzthales sind von der obersten Niederlassung, dem WeilerMittelberg (1730 m), bis zum Weiler Zaunhof (1265 m), also auf einerStrecke von beinahe 20 km, durchweg unbesiedelt. Von der 870 Köpfezählenden Bevölkerung wohnen 16°/o auf Halden, 47 auf Schutt-kegeln, 7 in Becken und 30 auf dem schönen Flachboden vonPiösmes und Weixenstall. Von Zaunhof bis zum Ausgange und indem bei Wenns mündenden Pillerthälchen dagegen wohnen nichtweniger als 28 °/o der Bevölkerung auf den Hängen, die hier schondurch ihren sanften Abfall und auch durch ihren wohlerhaltenenMoränenüberzug zur Niederlassung einladen. Noch engere Grenzensind den Hang-Siedelungen in dem benachbarten Kaunser Thale ge-zogen. Die Sohle dieses prachtvollen Hochthaies stellt sich von derZunge des Gepatschferners bis zum Mondarfer Schwemmboden als einevollkommene Rundhöckerlandschaft dar. Auf die geglätteten, ge-striemten, mit Moränenschutt überdeckten Felsbuckel, an denen derGletscher noch vor drei und vier Jahrzehnten drechselte, folgt thal-ausw.ärts ein hoher, mit mächtigen Zirkelkiefern bestockter Rundhöcker-wall, den bereits der diluviale Vorfahr des Gepatschferners abschliffund den gegenwärtig der Bach in tiefer Klamm durchbricht. Hierliegt, von schönem Arvenhaine umrahmt, im Angesichte der eisum-panzerten Weissseespitze und des zerschründeten Gletschers, mit freiemAusblicke auf die weit hinausziehende Furche des Kaunser Thaies,das Alpenvereinshaus Gepatsch — der Vertreter einer Siedelungsart, diebeinahe überall auf den Ursprung der Hochthäler beschränkt ist. Dochdavon später x ). Eine wahre Heimstätte, eine dauernde Niederlassunggibt es im Bereiche der Gepatscher Rundhöcker nicht. Auch dasMondarfer Becken ist nur eine Alm. Erst 10 km unterhalb des Ge-patschhauses, in einer Höhe von 1500 m, beginnen die Ansiedelungen.Das erste Gehöft „Am See" wurde im Jahre 1862 durch einen Aus-bruch des Watzebaches vermuhrt, und auch die drei folgenden Bauern-höfe von Riefe, Platt und Wolf kehr — alle auf den rauhen, mitSteinmuhren bedeckten Schuttkegeln der rechten Thalwand — werdendurch jedes Unwetter arg bedroht 2 ). 2km unterhalb des Wolfkehr-hofes beginnt die freundliche Thalweitung von Feuchten, welche durchihre niedrigen, breiten Geschiebeterrassen und ihre sanften Schutt-kegel einen grossen Teil der Thalbevölkerung an sich zog. VomRiefenhofe bis Grasse entfallen nur 4 Bewohner auf 1 km, in Feuchtendagegen 77, ob zwar die absolute Höhe des Thaies hier noch immer1200—1300 m beträgt. Beim Weiler Nufels, der auf dem letztenSchuttkegel liegt, geht der Feuchtener Boden in eine Klamm über,
') Gepatsck, romanischer Flurname, nach Steub = campaccio.
'-) Vgl. die anschauliche Schilderung eines Muhrbruches aus dem Madatsch-graben (beim Wolfkehrhofe) in Kochs Abhandlung über Muhrbrüche in Tirol.Jahrb. d. Geol. R.-A., XXV, 127.