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Siedlungsarten in den Hochalpen
Entstehung
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416 Ferdinand Low], Mg

Auf Leisten-Siedelungen entfallen:

Im Mühlwaldthale 107 oder 7 °/o der Bewohner.„ Oetzthale 365 „ 6 ,, „ „

„ Kaunser Thale 304 ,, 25 „ ,, „

„ Schnalser „ 209 ,, 16 „ ,, „

In den übrigen Thälern kommen keine unzweideutigen Leisten-Siedelungen vor — man müsste denn jedweden vereinzelten Vorsprungder Berghänge als den Ueberrest eines alten Thalbodens gelten lassen.

Die Heimstätten, welche aus dem Grunde der Hochthäler baldeinzeln, bald in dichten Schwärmen an den Gehängen emporstrebenund einen so überaus freundlichen Zug in das hehre Bild der Alpen-welt bringen, sind nicht auf die leistenförmigen Reste alter Thalsohlenbeschränkt. Sie fassen auch auf gleichmässig abgeschrägten HängenFuss, wenn deren Böschung unter ein gewisses Mass, in der Regelunter den Winkel von 30 ° herabsinkt und wenn das anstehende Ge-stein entweder selbst eine ergiebige Bodenkrume liefert oder vonden Gletschern der Vorzeit mit fruchtbarem Geschiebelehm bekleidetwurde.

Die weit zerstreuten Bergweiler und Berghöfe sind wohl durch-weg jüngere Zweigniederlassungen der nächsten, oft aus rätischer oderdoch romanischer Zeit stammenden Thaldörfer i ). Erweisen sich jasogar ihre Namen sehr häufig als einfache, durch die Anhängung von„Berg" gebildete Derivate der Ortsnamen des Thaies. Zum DorfeSilz im Oberinnthale gehört die Hang-Siedelung Silzerberg, zum DorfeOetz, welches sich auf einem kleinen Schuttkegel der untersten Staffeldes Oetzthales zusammendrängt, die Hang-Siedelung Oetzerberg, zumDorfe Kauns die Hang-Siedelung Kaunserberg u. s. w. Soweit dieAlpen von Deutschen bewohnt werden, sind die Seitenwände der Hoch-thäler, wo es nur irgendwie angeht, mit solchen Kolonien besetzt.Den deutschen Bauern sagt eben diese Siedelungsart vor allen anderenzu. Auf den Berghängen wohnen sie nach altgermanischem Brauchediscreti ac' diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit.

Unter sonst gleichen Umständen wird natürlich vorzugsweise dieSonnenseite aufgesucht 2 ). In Thälern, welche annähernd in der Rich-tung der Breitenkreise verlaufen, kann man fast immer beobachten,dass der nördliche Hang mit Dörfern, Weilern und Einzelgehöftenübersäet ist, während der südliche, die Schattenseite, auch nicht eine,einzige Niederlassung aufzuweisen hat. Gute Beispiele liefern dieVerzweigungen des Tauferer Thaies, der unterste, von SO. gegenNW. gerichtete Abschnitt des Oetzthales mitsamt dem Ochsengarten,der Ausgang des Kaunser Thaies u. a.

') Vgl. die Schriften Steubs, insbesondere die treffliche Abhandlung überdie Entwickelung der deutschen Alpendörfer.

2 ) Ueber den Einfluss der Auslage auf die Besonnung und Bodenwärmevgl. Hann, Handbuch der Klimatologie, S. 148—150.