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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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251 Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 181

Hannos Jorge, Mertin Polan, Cloze Heilwig, Cloze Schefer, HannosSpelina *).

Oestlich von Frankenstein im Ottmachauer Gebiet herrschte inder zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Deutsche durchaus. Nurdas Dorf Woitz (Woyczycz) behauptete sich als polnische Sprachinselund war den bischöflichen Beamten sehr unbequem, die nur durchDolmetscher mit den Leuten verkehren konnten. Darum befahl derGrundherr, Bischof Johannes IV. Roth 1495, dass die Woitzer Kinderzuerst Deutsch lernen und dass der Gebrauch des Polnischen nach fünfJahren ganz aufhören müsse. Wer sich dem widersetze, den will derBischof aus seinem Gebiete verjagen. Zur Rechtfertigung der Verfügungwird gesagt, dass das polnische volh gemeiniclich zu vorvolgunye dernarunge und pewd nicht geädert ist -).

Aus dem Jahre 1512 stammt die erste Geographie Schlesiens vondem aus Brieg gebürtigen Bartholomäus Stein (Stenus), einem Johanniter-priester 3 ), die auch auf die sprachlichen Zustände Rücksicht nimmt.Freilich zieht Stein die Sprachgrenze sehr obenhin, indem er Oder undNeisse zwischen Deutschen und Polen scheiden lässt. Lebensart undBauart trennten gleich der Sprache beide Nationen. Die Polen be-wohnten aus Holz und Lehm roh gefügte Hütten; ihre Städte seienselten mit Mauern umgeben, während die deutschen Städte befestigtund die Häuser meist aus Ziegeln gebaut seien. Die Polen nennt unserGeograph bäurisch, ungebildet, ohne gewerbliche Betriebsamkeit; diedeutschen Schlesier schildert er als das Gegenteil.

Dass Oder und Glatzer Neisse kein certissimus limes der beidenNationen waren, wie Stein angibt, bezeugt schon, dass das Polnischeauf der linken Oder- und Neisseseite noch weit später ziemlich ver-breitet war: im Strehlen- und Münsterbergschen, im Briegischen, Ohli-schen, Breslauischen und Neumarktscken. Dagegen ist rechts der Neissedas Neisser Land damals längst deutsch gewesen und weiter im Ostenhinter dem polnischen Neustadt-Zülzer Gebiet die westliche Umgegendvon Leobschütz, das selbst seit dem 13. Jahrhundert eine deutscheStadt war. Hier stiess vom nördlichen Mähren herauf das Deutschein das Slavische.

Man hatte damals für genaue Beobachtung der Nationalitäts-verhältnisse noch keinen Sinn. Cureus-Rätel in ihren Annalen übergehendie Stellung der Sprachen im Lande ganz. Nikolaus Henel in seinerSilesiographia S. 59 (Frankfurt a. 0. 1613) erwähnt die Einwanderungder Deutschen und die Lostrennung Schlesiens von Polen und sprichtvon dem Uebergewicht der deutschen Sprache, obschon fast ganze Städteund zahlreiche Dörfer, namentlich jenseits der Oder, die slavische Sprachenoch mit Verbissenheit festhielten. Auch gebe es solche, die böhmischredeten.

») Cod. dipl. Siles. X, 263.

2 ) Stenzel, UrkundensammlungNr, CCV. — pewd = beude, bäude: culfcura;geodert — geädert, mit Blut und Anlage versehen.

*) Descriptio totius Silesiae. Herausgeg. von Kunisch im Unterprogrammdes Friedrichsgymnasiums zu Breslau 1836. (Descriptio civitatis Wratislaviensis 1832.)