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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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164 Karl Weinhold, [8

mahlt gewesen. In zweiter Ehe heiratete er Christine, die TochterAlbrechts des Bären, des grossen Slavenzwingers. Seine Nachkommenzeigen starke Neigung, durch Verbindung mit den deutschen Fürsten-häusern sich an Deutschland anzulehnen. Boleslav der Lange, Wladys-laws II. Sohn, war mit Adelheid von Sulzbach vermählt; Heinrich I.mit Hedwig von Andechs-Meran, der heilig gesprochenen; Heinrich II.hatte freilich Anna von Böhmen zur Gattin, allein seine SchwesterGertrud war mit Otto von Witteisbach verlobt gewesen und ging nachdes Bräutigams Untergang in das Trebnitzer Kloster. Boleslavs U.Frau war die Askanierin Hedwig, Heinrichs III. zweite GemahlinHelene von Sachsen. Heinrich IV. der Dichter war mit Mechtild vonBrandenburg verbunden. Heinrich V. hatte zwar eine Polin, Elisabethvon Kaiisch zur Gemahlin, aber zwei Töchter vermählte er an Deutsche:Hedwig an Otto von Brandenburg, Euphemia an Johann von Branden-burg und das zweite mal an Otto von Kärnten. Heinrich VIP, derletzte Breslauer Herzog, war König Albrechts I. Eidam.

Die Herzöge, die wir mit deutschen Frauen vermählt nannten,sind zugleich die wichtigsten Förderer deutscher Einwanderung inSchlesien gewesen. Boleslav I. und sein Sohn Heinrich I. haben dieGermanisation ihres Landes begründet. Ohne sie hätte dieselbe nimmerden guten und raschen Verlauf genommen.

Ehe wir hiervon reden, ist zu erwähnen, dass vor den Deutschenromanische oder genauer wallonische Gäste nach Schlesien gekommenwaren. Zunächst Augustinermönche aus Arrovaise in der GrafschaftArtois, die einer der reichsten polnischen Grossen, Graf Peter Wlast,1109 am Nordabhang des Zobtenberges in Gorka ansiedelte, und denenPeters Bruder kurz darauf die Breslauer Adalbertskirche mit Grundbesitzverlieh. Etwas später erhielten sie einen Teil der Sandinsel in Breslauund übersiedelten deshalb gegen Ende des 12. Jahrhunderts vom Zobtenin die Hauptstadt.

Mit diesen Mönchen, deren Verbindung mit dem MutterklosterArrovaise erst 1440 gelöst worden ist, vielleicht auch etwas später vonihnen gerufen, sind romanische Flandrer nach Schlesien gekommen,teils als Gewerbs- und Handelsleute, teils als Ackerbauer. Im 12. Jahr-hundert schon lag südöstlich vom alten Breslau um die Mauritiuskirchedie platea gallica vel romana, die 1261 als geschlossene Gemeinde, alsvicus S. Mauritii, erscheint*) und die ihren Namen noch im 15. Jahr-hundert fortführte als Walgasse (d. i. Walhengasse) vor dem Olischen tore.

In Jankau bei Ohlau werden 1235 Romani erwähnt; die Kirchezu Würben im Ohlauer Weichbild hiess die ecclesia gallicalis, die welscheKirche. Kreide! bei Wohlau hiess einst Walhendorf (olim gallicum).Derselbe Name dauert bis heute, obschon entstellt, in Wall'endorf bei

] ) In dem Registrum Wratislaviense, dem Verzeichnis der bisehöflichenLändereien und Zinse aus dem 13./14. Jahrhundert, heisst sie Romana sive Ranaplatea; sie stand unter einem bischöflichen Schulzen. Ygl. auch Stenzel (undTzschoppe), TJrkundensammlung S. 364 und A.Schultz, Topographie Breslausim 14. und 15. Jahrh. in der Zeitschr. f. Gesch. Schlesiens, X, 279. Ueber die wal-lonischen Ansiedlungen in Schlesien Grünhagen, Les colonies Wallones en Silesie,in den Memoires de l'Acadejnie de Belgique, XXXIII, 1867.