IV Einleitung.
Büchlein Ch. F. Stalins*) die beste Auskunft verdanken. Die Geheimer ats-Registratur und das Konsistorium scheinen das nächstgrösste Kontingent,geliefert zu haben. % Aber freilich nicht jede Behörde konnte den gedrucktenBüchern auch Manuskripte beigesellen. Auf diesem Gebiet verdanktedie herzogliche Bibliothek eine besonders ansehnliche Bereicherung demGeheimer a'tskollegium, wie dies der Oberbibliothekar Lebret in einembei den Bibliothekakten liegenden Bericht vom 19. Mai 1776 ausdrücklichbezeugt. Auch das Konsistorium sandte unter 28 Kisten eine mit Hand-schriften gefüllte und zwar stammten diese zum Teil aus aufgehobenenoder evangelisicr/eu Klöstern und Stiftern. Es waren freilich kleine llaud-schriftenbestände,**) welche das Konsistorium dort noch vorgefunden hatteund jetzt an die Bibliothek ablieferte, aber sie wurden auf diesem Wegedoch dem Untergang entrissen. In Hirsau und Blaubeuren hatte man diealten Klosterhandschriften zu Gunsten der neu eingerichteten evangelischenKloster schulen teilweise belassen, aber die nach der Nördliuger Schlachtwieder hereingekommenen Katholiken nahmen bei ihrer Flucht dieselben mitins Ausland, wo Zerstreuung oder Vernichtung ihr Los war.
Wenn wir auf diejenige Abteilung der Handschriften unser Augen-merk richten, welche der spezielle Gegenstand vorliegender Veröffentlichungist, so haben wir zu konstatieren, dass der Ob er rat sich als besondersergiebige Quelle für histo rische IIandsch r ifte u erwies. Nicht blossWerke über das württembergische Fürstenhaus und Land, über benachbarteReichsstädte, wie Hall, Augsburg, Nürnberg, hatte er besessen, sondern auchEntlegeneres, wie die Werke des Sulpicius Severus, die Gesta Trevirorum,die Chronik des Robert von Auxerre, Bocchis Geschichte von Bologna, Auf-zeichnungen von fremden Diplomaten u. s. f. Diese Vielseitigkeit erklärtstcii bloss dadurch, dass dem Oberrat Sammlungen grosser Bücherliebhaber,namentlich die der württembergiscium Herzoge von der Neuenstädter Neben-linie***) und die des Geh. Regimentsrats Müller (Mgler) von Ehrenbachzugefallen waren, f)
*) Zur Geschichte und Beschreibung alter und neuer Büchersammlungen imKönigreich Württemberg (Sonderabdruck aus den Württ. Jahrbb.) 1838.
**) Nach der Aufzählung Stalins a. a. 0. S. 78 — 84 kommen auf jede dieserAnstalten 1, 2, 3, höchstens 4 Stücke, meist theologischen Inhalts. Ich füge noch einStück hinzu, welches allem Anschein nach aus Maidbronn stammt: Cod. hist. Q. nr. 11,Aeneic Sylvii opuscula.
***) Ihr Katalog liegt in Cod. hist. Fol. nr. 210, a. b. vor; über Neucnstadtgelangten an den Oberrat wahrscheinlich manche Stücke aus dem Besitz frühererivürttembergischer Grafen und Herzoge, z. B. die ursprünglich dem Grafen Heinrich(gest. 1519) gehörige lateinische Übersetzung des Marco Polo Cod. hist. Q. nr. 10.f) Vergl. Cod. hist. Fol. nr. 15. Q. nr. 5.