46schneidenden und furchtbaren Widerspruch vorgeführt, indem er sich erinnertean die angebliche Vendée des Ravensbergischen Landes. Nun möchteich wissen, wie man Abgeordneter hätte werden können, wenn dieses dieVendée wäre? (Bravo; Heiterkeit.) Aber an eins hat er uns erinnert,daß es einen großen Unterschied giebt zwischen den formellen, ich weißnicht den Ausdruck, berufenen oder unberufenen politischen Flunkrern, unddenen die durch Gesetz und Verfassung berufen sind das Volk zu ver-mitteln mit seinen Verwaltern. Meine Herren Collegen! Lassen Sie unsauch am heutigen Tage uns vergegenwärtigen, was wir sind! Wir sindnichts anderes, als die Bevollmächtigten unsrer Wähler. Lassen Sie unsauch bei dieser Gelegenheit (ich thue es deshalb, weil die ganze Stimmungdes Tages zum Schlusse drängt) uns erinnern an jene gewaltige Macht,ohne die wir nicht wären, was wir zu sein uns rühmen, und auch, glaubeich, uns rühmen dürfen. Erinnern wir uns auch der Frauen, die nichtofficiell vertreten sind; die Wähler und die Frauen, sie leben hoch,hoch, hochNach Beendigung des Mittagessens wanderten viele Festtheilnehmerhinauf zum Rolandsbogen und erfreuten sich an der herrlichen Umschau aufGebirg und Strom. Der Rest des Nachmittags wurde in zwangloser Unter-haltung verbracht; einige Redner, wie die Abgeordneten Bresgen undGroote, sprachen noch von dem Balkon des Stationsgebäudes, und untenin kleineren Kreisen, brachte noch mancher improvisirte Trinkspruch dieGläser zusammen, bis die abendlichen Schatten der Berge daran mahnten,daß der herrlich verbrachte Tag seinem Ende zuneige.Um 7½ Uhr wurde die Rückfahrt nach Köln angetreten. Auch diesegestaltete sich zur Triumphfahrt. Von Königswinter abwärts, als schon dieNacht zu walten begann, loderten von Ort zu Ort Freudenfeuer, welche infortlaufender Reihe die Schiffe geleiteten, und während ihr goldener Wider-schein weithin über die Stromfläche schimmerte, erleuchtete ihr helles Flacker-licht am Ufer die Gruppen der hochrufenden Volksmenge. An vielen Punkten des Ufers wurden Feuerwerke abgebrannt und von den Schiffen stiegenRaketen auf und streuten farbige Sterne in das Dunkel der Nacht. Ganzbesonders schön war die Scene unterhalb Rodenkirchen, als die Schiffe vordem Eintritt in den Festungsbezirk von Köln ihr Feuerwerk abbranntenund langsam zum Bayen hinabschwammen, wo bengalisch erleuchtete Ge-bäude vor ihm aufstiegen. Auf den Schiffen erhielt sich die freudig erregteStimmung der Festfahrer bis zum letzten Augenblick auf ihrer vollen Höheja, die Begeisterung stieg in dem Bewußtsein des verlebten Tages, derso froh, so würdig, so ganz und gar ohne alle Störung verlaufen war.Auf dem „Schiller“ brachte der Stadtverordnete Auffermann aus Barmendem Vorsitzenden des Festcomités, Classen=Kappelmann, noch ein Hoch-ebenso wurde des Comitémitgliedes Rittinghausen gedacht, der zuerst dieIdee des Festes angeregt hatte. Als endlich die Schiffe dem Landungsplatzezusteuerten, erscholl Angesichts der Stadt ein kräftiges „Alaaf Köln!“Am Rheinufer waren wieder unendliche Menschenmassen versammelt, diemit begeistertem Zuruf die Landenden empfingen. So dicht gedrängt stand dieMenge, daß sie kaum eine Gasse zum Eintritt in die Stadt zu öffnen ver-
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Das Fest der Abgeordneten von Rheinland-Westphalen gehalten zu Köln am 18. und 19. Juli 1863 : vollständiger Festbericht
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