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Das Fest der Abgeordneten von Rheinland-Westphalen gehalten zu Köln am 18. und 19. Juli 1863 : vollständiger Festbericht
Entstehung
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18Forum, das Forum der öffentlichen Meinung, hat man perhorrescirt, indenman ihr wichtigstes Organ, die freie Presse, in ihrer Existenz bedroht hat.Aber dem gegenüber gehört dazu die ganze Resignation eines hoch-gebildeten Volkes, sich stets innerhalb der gesetzlichen Schranken zu be-wegen. Aber, meine Herren, ein Volk, zugleich so ruhig und besonnenund doch so fest und entschlossen, ein Volk zugleich so loyal und so gesetzund verfassungstreu als das unfrige, wird auch diese Schwierigkeit zuüberwinden wissen, und es wird stets eingedenk sein, daß ein Volk amstärksten ist, nicht wenn es sich zur Gewalt und Leidenschaft hinreißen läßt,sondern wenn es durch seine Haltung zeigt, daß es den Kampf nicht scheut.Vor der Entrüstung eines stolzen, in seinem innersten Rechtsgefühle tiefverletzten Volkes bebt selbst die Willkür scheu zurück. Denn, meine Herren,es gibt eine Gränze, die ungestraft Niemand überschreiten darf. Sagt dochselbst ein Stahl in seiner Rechtsphilosophie:Der Unterthan dürfe zwarnicht richten über den Regenten, aber er dürfe und müsse richten über seinGewissen, und es müsse irgendwo eine Gränze des Gehorsams und derWillfährigkeit sich finden, auch finde sie sich in der unumschränkten Monarchieda, wo der Befehl gegen das Gebot Gottes und gegen das allgemeineGefühl von Recht und Ehre sei; sei aber das Gesetz ausgebildet und alsSchranke des Regenten einmal anerkannt, dann würden auch die positivenBestimmungen des Gesetzes und die bestehende Verfassung zur Gewissens-sache, so daß kein Wohlgesinnter sich zu ihrem Umsturz hergeben dürfe.Ja, meine Herren, das Gewissen, das niemals irre führt, wird unsauch in dem jetzigen Conflicte den rechten Weg zeigen, den Weg, der dasVolk im Bewußtsein seines Rechtes sicher zum Siege führen muß. (Bravo!)Meine Herren, es handelt sich in dem gegenwärtigen Kampfe nichtblos um die eigene Freiheit, von der Entscheidung dieses Kampfes hängtdie Zukunft von ganz Deutschland ab, und deshalb blickt die ganze deutscheNation, wie die ganze civilisirte Welt erwartungsvoll auf das preußischeVolk und schenkt ihm ihre lebhaften Sympathien.Unser Volk wird diese Erwartungen nicht zu Schanden machen, dasVolk wird eher alles opfern, als seine verfassungsmäßigen Rechte; es wirdsie bis zum letzten Athemzuge zu vertheidigen wissen. (Bravo!) MeineHerren, stoßen Sie mit mir an auf das verfassungstreue Volk!Hierauf betrat der Abgeordnete für Crefeld, Herr Professor von Sybelmit lautem Bravo empfangen, die Tribüne, und brachte ein Hoch auf dieVerfassung. Seine Rede lautete:Das Haus der Abgeordneten ist seit dem Beginn des jetzigen Ver-fassungsstreites durch die Organe der reaktionären Partei vielfach mitheftigen Anklagen heimgesucht worden. Es begehre parlamentarischesRegiment, Verlegung des politischen Schwerpunktes in das Abg.=Haus,Monopol in Budgetsachen, Unterdrückung der Minister, Verringerung derköniglichen Autorität, endlich Volkssouveränetät, Revolution, AnarchieAuflösung von Zucht, Ordnung und Sitte, so daß wenn nächstens dieWelt zu Grunde ginge, es beinahe wie die gerechte Strafe für die Sündendes Abgeordnetenhauses erscheinen könnte. Da man diese Vorwürfe nichtmit unsern bisherigen Thaten beweisen konnte, so hat man sich auf unsere