16der geschichtlichen Nothwendigkeit auch die Poesie und der Geist mit denBurgen war.Während jetzt, — ein unheimliches Gespenst vergangener Jahrhun-derte — dieser Geist längst unsere fröhlichen Ufer verlassen, um anderswozu spuken, wo zur Zeit der wahren Ritterschaft unter Wenden, Obotritenund Cassuben kein Sang, kein Heldenbuch jemals von ihnen Kunde gab.Die geschichtliche Bedeutung eines Standes richtet sichnach seinen Leistungen für den Staat. Als die Ritter noch allein denAusgang der Schlachten entschieden, da konnte man sich nicht über ihreHerrschaft beklagen; als die Fürsten später mit Soldtruppen die Kriegeführten, da konnte man sich nicht über ihren Absolutismus wundern.Jetzt, wo das Volk in Waffen das Heer bildet, fällt mit unwiderleglichergeschichtlicher Logik ihm auch von selbst die Theilnahme der Herrschaft zu.Das hat der Vater Rhein eingesehen und darum ist er ein so eifrigerConstitutioneller und hält so fest an der Verfassung, um so mehr, als inunserer industriellen Zeit auch der Rhein ein scharfer Rechner geworden ist.Er sagt sich: Ich bin des Schutzes besonders bedürftig, als Grenzfluß gegendie Franzosen und mit allem meinen Reichthum, meiner blühenden In-dustrie und meinem schönen Wein, den die Deutschen besser zu würdigenverstehen, möchte daher lieber deutsch verbleiben. — Die Preußen sindein starkes Volk — unter Friedrich dem Großen und kurze Zeit währendder Freiheitskriege in guter Schule gewesen — nach dem trefflichen Land-wehrsystem ist Jeder Soldat — wenn zu dem Allem das Selbstbewußtseinfreier Männer kommt: Wir kennen unser Recht —, wir schützen unserRecht —, wir machen unser Recht! — nun, so kann ich meine grünenWogen in aller Seelenruhe dem Meere zuwälzen.Deshalb, im Namen des Rheins und der Stadt Köln bringe ich daserste Glas der Versammlung, der ausübenden Macht der Volksrechte, demAbgeordnetenhause, welches, mit Ausnahme einer kleinen Minorität, eineunerschütterte, eine ungebrochene Phalanx vor dem Rechte und dem Willendes Volkes geblieben ist. — Mag das verfassungsmäßige Recht auch Ein-buße erleiden, die ungebrochene Kraft dieser Männer ersetzt sie reichlich,indem sie dem Volke das verleiht, womit das Eingebüßte wieder zu ge-winnen ist: Die Kraft des Rechts und Selbstbewußtseins. DerHerr Minister wollte, wie er sagte, diese Männer so lange zusammenlassen, bis das Land sie recht kennen lernte.Wir danken ihm dafür. Ja, wir haben sie kennen gelernt.Ja, wir haben diese Männer kennen gelernt. Sie haben uns ge-lehrt, kühn der Zukunft zu vertrauen, denn die Nation kennt jetzt die fähigen und verläßlichen Hände, denen sie in jeder Lage und an jeder Stelleihre Schicksale anvertrauen kann. Die alte, ängstliche Frage: Was dann?Wer nach diesem? Sie ist gelöst, sie bereitet uns keine Sorge mehr.Sie haben den büreaukratischen Nimbus zerstört, der, im Alleinbesitzalles Materials sich wähnend, hinter seinen Aktenburgen auf Jeden hinab-sah, der von Staats=Angelegenheiten etwas wissen wollte, ohne durch dasFegfeuer der Examina und den Leidensweg der Anciennetät zu ihnen
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Das Fest der Abgeordneten von Rheinland-Westphalen gehalten zu Köln am 18. und 19. Juli 1863 : vollständiger Festbericht
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