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Vor achtzehnhundert Jahren : zur Verständigung über Jesus
Entstehung
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29Körper mit Hülfe der römischen Wache, die unter einem nichtigen,belächlenswerthen Vorwande zum Grabe gesandt wurde. Aller-dings hatten die Leviten auch ein Interesse daran, daß die Jün-ger den Leichnam nicht wegnähmen, sei es nun um des Mißbrauchs der Reliquienverehrung willen, oder um das Gerücht vonseiner Auferstehung entkräftigen zu können. Auch was die Evan-gelien über das Zerreißen des Vorhangs im Tempel und dieTodtenerscheinungen zu Jerusalem erzählen, ist ganz ungeschicht-lich, indem sonst Flavius Josephus auch etwas von so merkwür-digen Vorfällen wüßte; als dichterischer Mythus indeß sind jeneSchilderungen schön und gedankenreich. Es bleibe der Spott fernvon dieser Blumensprache, wenn man auch heute anders reden würde!Der lebendige Jesus hatte ohn' Unterlaß gewirkt imDienste der Vernunft und Wahrheit zum allgemeinsten Wohle;der todte Jesus konnte es nicht mehr! Sie war nun auch überihn, diesen Besten unter den Besten, hereingebrochen: jene Nacht,wovon er geredet, in der Niemand mehr wirken kann; so ist unsdenn der gewaltsame Hingang des Unvergeßlichen nicht nur einbedauerlicher Sieg der Gewalt über das Recht, des Priesterthumsüber das Menschenthum, sondern auch ein wirkliches Unglück,weil der unwiederbringliche Verlust eines Mannes, der mit dengeringsten Mitteln so bedeutend auf sein Zeitalter und auf dieGestaltung der fernsten Zukunft eingewirkt, — aber bei längeremLeben gewiß von noch seegensreicherem Einfluß hätte sein können.In seinem Tod irgend eine Ursache zur Freude oder gar einenGewinn für die Menschheit und den Einzelnen zu finden, ist demwahren Freunde Jesu nicht gegeben, sondern bleibt Jenenüberlassen, die auch ein Interesse haben, die Leiden dieses edlenSchlachtopfers geistlicher Tyrannei so unübersteiglich zu schildern,daß wirklich die Phantasie eines Eremiten dazu gehört, ein an-näherndes Bild davon zu erlangen. Gewiß sind größere Mar-tern zu erdenken, als diejenigen, denen der zarte Körper Jesu balderlag; gewiß hat mancher Edle längere Qualen, entsetzlichereSchmerzen erduldet bis sein Herz verschmachtet, als der Weisevon Nazareth, der im Vollgefühle großer Tugenden, gekannt, ge-liebt und innig betrauert von so vielen Guten, nach kurzem To-deskampfe verschied. Dieser Gedanke allein hat die Kraft, unsein wenig zu trösten über das herbe Geschick des Trefflichen.